Tigergarten Waldeck: Gelb-Schwarzes zwischen Weinreben
Lediglich 1.400 Bengaltiger gibt es noch weltweit, so schätzt der WWF. Sieben davon leben im rheinhessischen Ingelheim. Bereits viermal gab es dort Nachwuchs.

Menschen haben grundlegend verschiedene Hobbys. Peter Schweikhards Freizeitbeschäftigung sorgt allerorten für Aufsehen – was den Ziehvater von sieben Bengaltigern allerdings wenig stört. „Die Tiger sind meine größte Leidenschaft“, erklärt er. Seine Liebe zu den größten Raubkatzen der Welt entdeckte er im Jahr 1977, als er geschäftliche Beziehungen zum Safariland Groß-Gerau aufbaute und fünf Tiger- und Löwenbabys mit der Flasche großzog. 1984 ging das Safariland pleite. Herr Schweikhard übernahm selbst zwei Raubkatzen und sorgte für die Unterbringung von einem weiteren Tiger und einem Löwen im Tierheim Rüsselsheim. 1989 erbaute er dann das Gehege an der Waldeck, das 2008 noch einmal erweitert wurde. Den Tigern stehen hier beheizte Stallungen, ein Sandbecken, Kratzstämme und ein kleines Schwimmbad zur Verfügung. „Die Tiere leben auf einem wesentlich größeren Areal als dem gesetzlich vorgeschriebenen“, betont der Tigerbesitzer.
Mahlzeit: Fünf Kilogramm Fleisch pro Tag und Tiger
Natürlich drängt sich die Frage auf, ob ein Tiger in menschlicher Obhut überhaupt ein glückliches Dasein fristen kann. Dass sich die Ingelheimer Tiger wohlfühlen, lässt sich am Nachwuchs erkennen: Bereits auf vier erfolgreiche Geburten kann man zurückblicken und das, obwohl die Tigerzucht als relativ schwierig gilt. Der letzte Nachwuchs – Keno und Bombay – kam im Mai 2007 zur Welt und ist mittlerweile erwachsen. Ein ausgewachsenes Männchen wird etwa drei Meter lang, besitzt eine Schulterhöhe von rund einem Meter und frisst fünf Kilogramm Pferde- und Rindfleisch pro Tag. Wenn ein solches Katerchen zu fauchen beginnt, verschafft es sich garantiert durch jedes Gehege hindurch Respekt.
Keine Angst vor dem gelb-schwarzen Kater
Angst muss indes niemand empfinden vor den imposanten Großkatzen. Alle Tore zum Gehege sind durch Schleusen mehrfach abgesichert und Peter Schweikhard schläft stets mit einem Sicherheitssender neben dem Bett ein. Außerdem können bei möglichen Problemen auch seine Lebensgefährtin Monika Habel und sein Bruder Albert Schweikhard eingreifen. So weit kam es bisher allerdings nie.
Schließlich pflegt Herr Schweikhard zu seinen Tigern ein sehr vertrautes Verhältnis und fühlt sich für sie in großem Maße verantwortlich. „Niemals würde ich einen meiner Tiger an einen Tierhändler verkaufen“, sagt er entschieden. Interessierte Tierhändler – gerade aus Asien – gebe es zwar, doch was mit den Tieren dann geschehe, sei äußerst fragwürdig. Gerade zur Herstellung von Arznei- und Potenzmitteln seien Tiger sehr begehrt - ein Grund für die immer weiter schwindende Zahl lebender Bengaltiger – aktuell wird der Bestand auf 1.400 geschätzt. Hinzu kommt, dass die Reviere der Großkatzen durch die fortschreitende Ausbreitung des Menschen immer kleiner werden. Allein deshalb macht es laut Herrn Schweikhard keinen Sinn, über eine Auswilderung seiner Tiger nachzudenken. „Sie haben ja niemals gelernt zu jagen. Sie würden in Freiheit nicht überleben.“
Wer den Tiger-Garten Waldeck bei seiner Arbeit unterstützen möchte, kann an den gleichnamigen, gemeinnützigen Verein spenden.
Infos
Tiger-Garten Waldeck e.V.
Am Bismarckturm
55218 Ingelheim
Tel: 06725/4313
Öffnungszeiten:
Im Winter:
Freitag ab 14 Uhr
Samstag ab 12 Uhr
Sonntag ab 11 Uhr
Im Sommer:
Mittwoch-Freitag ab 12.30 Uhr
Samstag ab 12 Uhr
Sonntag ab 11 Uhr
Redaktion: Kerstin Petry
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