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Rehe, Helden und Blitzlichtgewitter Der „BAMBI“ 2011 in Wiesbaden

Glamour, Promis und Roter Teppich in Wiesbaden: Der deutsche Medienpreis „BAMBI“ wurde am 10. November 2011 in der hessischen Landeshauptstadt verliehen. Das vielfältige kulturelle Leben Wiesbadens wurde damit zum zweiten Mal in der über 60-jährigen BAMBI-Historie mit den Feierlichkeiten bereichert.

Während der 44. BAMBI 1991 noch im kleineren Kreis im Kurhaus vergeben wurde, wurde das Spektakel 2011 mit über 800 geladenen Gästen ab 20.15 Uhr live aus den Rhein-Main-Hallen in der ARD übertragen. Doch schon Wochen zuvor war Wiesbaden im BAMBI-Fieber, denn seit dem 6. Oktober leuchtet eine fünf Meter hohe Reh-Skulptur vor dem Kurhaus. Hessens Politiker schätzen die internationale Aufmerksamkeit, die der kleine goldene Vierbeiner auf Wiesbaden lenkt. „Für das Land Hessen und seine Landeshauptstadt bedeutet diese herausragende Preisverleihung bundes- und europaweite Aufmerksamkeit und eine Stärkung der Bedeutung als Medienstandort“, so Ministerpräsident Volker Bouffier und Wiesbadens Oberbürgermeister Helmut Müller. Als ehemalige Weltkurstadt ist es Wiesbaden jedoch nur allzu leicht gefallen, ein rauschendes Fest auszurichten. Und wie in jedem Jahr, haben haben die bunten Illustrierten in der Nachberichterstattung 2011 wieder die wirklich wichtigen Fragen beantwortet: Wer kam mit wem, wer trug welches Kleid und wer benahm sich so richtig daneben? Wir hingegen sagen Ihnen, wer die wichtigsten Preisträger 2011 waren.

Gesamtkunstwerk, Mädchenschwarm
Der BAMBI in der Kategorie „Entertainer des Jahres“ ging an Justin Bieber. Mit seinen 17 Jahren ist der Kanadier ein recht junger Preisträger – der aber nach Ansicht der Jury mit Hilfe des Internets schon sehr viel bewegt hat: „Seinen Erfolg verdankt er nicht einem Manager oder einem Plattenkonzern, sondern selbst gedrehten Videos, die er vor drei Jahren auf die Internetseite YouTube stellte.“ Diese Videos wurden millionenfach gesehen, seine Fangemeinde wuchs rasant und er erregte so die Aufmerksamt bekannter Künstler. Inzwischen hat Bieber natürlich einen Plattenvertrag und erobert die Charts. Was nicht nur an den zahlreichen weiblichen Fans liegt. „Wir haben es mit einem hochbegabten Musiker, Songschreiber und Entertainer zu tun: Justin Bieber spielt vier Instrumente, verfügt über eine außergewöhnliche Soulstimme und ist ein hervorragender Tänzer“, urteilte die Jury.

Gewürdigt wurde auch das Schaffen einer gewissen Stefani Joanne Angelina Germanotta, besser bekannt als Lady Gaga. Sie sang ebenfalls in Wiesbaden und erhielt den BAMBI in der Kategorie „Pop International“, was die Jury wie folgt begründete: „Lady Gaga ist die erfolgreichste Pop-Künstlerin der Gegenwart, eine Königin der Selbst-Inszenierung und ein kulturelles Phänomen. Fans lieben ihre Musik, Feuilletonisten rezensieren ihre Videos, Professoren erforschen ihren Einfluss auf unsere Kultur. Zu dem Gesamtkunstwerk Lady Gaga gehören nicht nur die von ihr komponierten und produzierten Songs, sondern auch ihre exzentrischen Auftritte und Videos, die sie bis ins Detail kontrolliert. Ihr aktuelles Album „Born This Way“ versteht sie als Appell für Respekt und Toleranz. Egal welcher Hautfarbe, welcher Sprache, welchen Geschlechts: Wir sind alle Menschen, lautet ihre Botschaft.“

Fernseh-Veteran und „Elder Statesman“

Ein alter Hase im Showgeschäft ist dagegen Thomas Gottschalk. Er erhielt die Auszeichnung für das „TV-Ereignis des Jahres“, das die Jury im „Wetten, dass ..?“-Sommerspecial aus Mallorca sah. 12,43 Millionen Zuschauer verfolgten die Sendung im Juli. Gottschalk überzeuge durch seine authentische und spontane Moderation.

Auch Altbundeskanzler Helmut Schmidt gehört nicht mehr zur jungen Generation, doch auch nicht zum „alten Eisen“. Mit 93 Jahren nimmt der beliebte Hanseate noch immer regen Anteil am politischen Leben und gilt als deutscher „Elder Statesman“ schlechthin. Die BAMBI-Jury ehrte sein Lebenswerk deshalb mit dem Millenium BAMBI 2011. In der Begründung heißt es unter anderem: „Helmut Schmidt ist das politische Gewissen der Deutschen. Der Altbundeskanzler verfügt über einen messerscharfen Verstand und eine unbeirrbare Moral, die viele heute bei Politikern vermissen. Trotz seines hohen Alters wird Schmidt nicht müde, sich in die großen gesellschaftlichen Themen einzumischen, zu mahnen und zu erklären.“

Goldiges Reh sucht neuen Besitzer

Der BAMBI ist der älteste deutsche Medienpreis und wurde bis 1964 immer in Karlsruhe vergeben. Die Statue selbst wiegt heute 2.500 Gramm, wird mit einer Temperatur von 1.250 Grad aus Bronze gegossen und anschließend mit 18 Karat vergoldet. Etwas ketzerisch könnte man behaupten: Medienmenschen und ihre Branche feiern sich selbst. Veranstaltet wird die Preisverleihung nämlich von Hubert Burda Media. Oder man kann auch sagen: Der Preis wird von Burda gestiftet. Die Jury jedenfalls besteht aus Dr. Hubert Burda selbst und allen Chefredakteuren des Burda-Konzerns. Die Absicht ist allerdings eine gute, wenn man der PR-Abteilung glauben darf, aus der es heißt: „BAMBI ist ein eindrucksvolles Bekenntnis zu den Helden unserer Zeit, ein Symbol für Anerkennung: Wer im Lauf des Jahres Außerordentliches geleistet, die Herzen bewegt, selbstlos geholfen oder perfekt unterhalten hat, ist würdig, mit Deutschlands wichtigstem Medienpreis ausgezeichnet zu werden. Internationale und deutsche Stars, aber auch stille Helden und mutige Pioniere versprechen viele Gefühle, berührende Momente und großes Entertainment.“ Doch wie erlangt man nun als stiller Held die Gunst der Jury? Die Redaktionen des Unternehmens sammeln aufmerksam Namen, Ereignisse, sowie besonderes Engagement und treffen eine daraus eine Auswahl, die dann zur Siegerermittlung an die Chefredakteur-Riege weitergegeben wird. Dennoch gibt es eine Beteiligungsmöglichkeit für die Zuschauer und Leser, sie können jedes Jahr über den Publikums-BAMBI abstimmen.

Rekordpreisträger sind übrigens Heinz Rühmann (12), Peter Alexander, O. W. Fischer und Sophia Loren (10), Maria Schell (9), Inge Meysel und Rock Hudson (7), Liselotte Pulver und Gina Lollobrigida (6).