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Lebe lieber ungewöhnlich – zumindest im Urlaub

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Malediven statt Schwarzwald – nicht nur die Urlaubsorte sind heute exotischer als früher, auch die Unterkünfte werden nicht selten nach dem Prinzip „Hauptsache individuell“ ausgewählt. Ob total ökologisch, einfach absurd oder verschwenderischer Luxus, alles ist möglich. Die Wirtschafts-News stellt ausgefallene Urlaubsdomizile vor, die möglicherweise auch als Inspiration fürs Eigenheim dienen.

Zelte aufgemotzt
Sie dachten bisher, Zelten sei nichts für Sie? Überdenken Sie das noch einmal – denn inzwischen gibt es „Glamping“, was so viel bedeutet wie „Glamouröses Camping“. Mit schlafen im Schlafsack auf einer Isomatte hat das nichts mehr zu tun. Die Luxuszelte sind zumeist auf Holzplattformen errichtet und mit richtigen Möbeln ausgestattet. Eine echte Alternative also für Naturfreunde, die einen gewissen Standard nicht missen wollen, aber trotzdem mitten in der Natur wohnen möchten. Im „El Capitan Canyon“ im US-Bundesstaat Kalifornien beispielsweise beherbergen neben Zelten auch Jurten mit Sternenhimmelausblick die Besucher. Das Gelände liegt im „El Capitán State Beach“-Park an der sonnigen Pazifikküste nahe Santa Barbara, eingebettet zwischen Eichen und Platanen. Der Einklang mit der Natur ist den Besitzern wichtig und so werden beispielsweise der Pool mit Solarenergie beheizt, heimische Pflanzen nachgezüchtet und umgestürzte Bäume zu Möbelstücken weiterverarbeitet. Im Sommer liegen die Preise für eine Nacht etwa bei 155 US-Dollar, www.elcapitancanyon.com.

Mein Freund, der Baum ...

Ein Kindheitstraum für Große: Das Baumhaus ist wieder im Trend! Jedenfalls bei Urlaubern. Dafür muss man nicht weit reisen. Die „Wipfelglück Baumhaushotels“ finden sich an zwei Standorten: in Rosenberg am fränkisch-schwäbischen Jakobsweg sowie in Mönchberg im Spessart. Die Lärchen-Kiefer-Häuser stehen auf Stelzen und sind in die Wälder hineingebaut. Ein 25 Quadratmeterhäuschen mit vier Betten, WC und Frühstück ist für 79 Euro pro Nacht und pro Person buchbar, für Familien (vier Personen) gibt es derzeit ein Paket zum Preis von 197 Euro pro Übernachtung, www.wipfelglueck.de.
Wie eine verträumte Märchenlandschaft mutet dagegen das Baumhaushotel in der Abenteuerlandschaft der „Kulturinsel Einsiedel“ an. Der sächsische Familienbetrieb nahe der polnischen Grenze hat zum Ziel „spielerische Verbindungen zwischen Kunst, Kultur und Natur“ zu schaffen und betreibt in diesem Sinne einen „grüngeringelten Abenteuerfreizeitpark“, einen Kulturverein und eine Holzgestaltungs-Unikatfabrikation. Auch die Baumhäuser sind echte Unikate, die dazu noch Namen von Trollen, Feen oder Elfen tragen. Das Herz des Hotels ist die Feierplattform, von wo aus die Wipfelstege zu den Baumhäusern führen. Für einen Langzeit-Aufenthalt sind die acht Märchenhäuschen nicht gedacht, aber sicherlich sind sie ein einzigartiges Erlebnis. Viel Spaß bei der morgendlichen Höhen-Schock-Dusche mit Freilufttrocknung! Preise: 170 bis 250 Euro pro Haus und Nacht, www.kulturinsel.com.

Raus aufs Wasserhaus
Vom Wipfel zur Welle: aufs Wasserhaus. Im norwegischen Bremanger finden sich zwei Exemplare in einer idyllischen Bucht. Die zweistöckigen Häuser sind fest verankert, umweltfreundlich und vom Ufer mit einem Ruderboot erreichbar. Ein Motorboot sowie eine eigene Filetierbank gehören in einem Anglergebiet wie diesem natürlich dazu. Großzügige Veranden umlaufen die typischen Skandinavienhäuser, sodass auch mit der Maximalbelegung von sechs bzw. acht Personen jeder einen Platz an der frischen Luft findet. Ein Privatstrand lädt zum Grillen ein, die voll ausgestattete moderne Küche ermöglicht die optimale Vorbereitung dafür. Die Mietpreise richten sich nach der Reisesaison: Die Rate für das 61-Quadratmeter-Haus beginnt bei 1.135 Euro pro Woche, die Kosten für das 75-Quadratmeter-Haus bei 1.365 Euro, www.dancenter.de. Etwas rustikaler, dafür aber größer und näher ist das Wasserhaus in Güstrow, Mecklenburg-Vorpommern. Auf mehr als 240 Pfählen thront das Holzhaus mit Reetdach in einem Inselsee, über einen Steg ist es mit dem Ufer verbunden. Bis zu 15 Personen finden auf 230 Quadratmetern Fläche (80 Quadratmeter Terrasse) mit Sauna Platz zum Entspannen. Wer angeln möchte, kann wahlweise ein Ruderboot mieten oder die Steglandschaft nutzen. Preise starten bei 1.670 Euro in der Woche, www.novasol.de, www.fewovista.de.

Schnittchen im Kittchen
Lange ist es noch nicht her, da wohnten in diesen Räumen noch Kriminelle: Das „Jailhotel Löwengraben“ fungierte bis 1998 noch als Luzerns Zentralgefängnis. Heute stehen den Gästen hinter den dicken Mauern des denkmalgeschützten, 150 Jahren alten Gebäudes 56 komfortable aber trotzdem authentische Zellen-Zimmer verschiedener Kategorien zur Verfügung. Im eigenen „Club Knascht Alcatraz“ lassen sich bestimmt netten Zellennachbarn kennenlernen. Doppelzelle ab 75 Euro pro Nacht inkl. Frühstück. www.jailhotel.ch

Ein Herz für Transportmittel

Warum Flugzeuge oder Züge einfach verschrotten, wo sich doch die Umwandlung in ein reizvolles Hotel anbietet? Erleben Sie den Originalflair der Transsibirischen Eisenbahn etwa eine Stunde von Berlin entfernt: Die ehemaligen Schlafwagen sind nun komfortable Hotelzimmer mit Bad und Sitzecke. Die Übernachtung mit Doppelbelegung kostet ab 50 Euro, www.schlafwagenhotel.de. Gehören Sie auch zu den Menschen, die im Flugzeug einfach keinen Schlaf finden können? Das könnte sich jetzt ändern – und zwar in einer ausrangierten Boeing 747-200, die sich nun eine zweite Existenz als Herberge aufgebaut hat. Der Jumbo bietet seinen Gästen 27 Zimmer. Sehr verlockend: Die Suite im ehemaligen Cockpit, die einen Panoramablick auf den Stockholmer Flughafen ermöglicht. Ein Doppelzimmer mit Bad und Frühstück kostet am Wochenende etwa 195 Euro, andere Zimmerkategorien sind günstiger, www.jumbostay.com.

Zeitgeist: umweltverträglich leben

Das steigende Umweltbewusstsein der Menschen spiegelt sich in der Touristik wider. In Wien ist 2009 gar ein mehrfach ausgezeichnetes Hotel mit einer Null-Energie-Bilanz entstanden. Der Anbau des „Boutiquehotels Stadthalle“ besteht aus einer Passivhaushülle und gewinnt Strom und Wärme über eine Photovoltaik- und eine Solaranlage. Eine Regenwassernutzungsanlage verarbeitet den Niederschlag für die WC-Spülung sowie die Gartenbewässerung. Ein eigener Brunnen liefert zudem Wasser für die Wärmepumpe und das Kühlsystem der Betonkernaktivierung. Beleuchtet werden die neuen Innenräume ausschließlich von Energiesparlampen und LEDs. Da wundert es nicht, dass die Inneneinrichtung des Passivhaus-Zubaus ausschließlich aus recycelten Stoffen besteht. Vier Windräder auf dem Dach sind außerdem noch in der Genehmigungsphase. Kosten: ab 118 Euro ein Doppelzimmer pro Nacht. Wer mit dem Rad oder dem Zug anreist, erhält einen zehnprozentigen Rabatt, www.hotelstadthalle.at.
Viel weiter nördlich, nur zehn Kilometer von der Ostsee entfernt, wirtschaftet das „Gutshaus Stellshagen“ nicht nur klimaneutral, sondern auch biologisch. Inmitten von Wiesen und Feldern betreibt das Hotel auf rund 6,5 Hektar Fläche kontrolliert-biologische Landwirtschaft. Angebaut werden Wurzelgemüse, alle Arten von Kohl, Kürbis, Kartoffeln und auch Spargel. In den Gewächshäusern gedeihen unter anderem Salat, Tomaten, Gurken und Paprika, während der Garten Äpfel, Birnen, Pflaumen, Beeren, Kirschen und Holunder liefert. Die angebauten Kräuter werden in der Hotelküche oder für Tee verwendet. Die Räume des Hotels werden mit Holzhackschnitzeln und Raps CO2-neutral beheizt bzw. über das Blockheizkraftwerk mit Strom versorgt, des Weiteren speichern Solarzellen die Sonnenenergie. Statt eines Pools gibt es einen Naturbadeteich und das Regenwasser wird auch hier zur Nutzung aufgefangen. Zum umweltschonenden Bauen und Gestalten wurden natürliche Materialien verwendet: Holz- oder Naturstein-Fußböden, Lehmputz, Seegras als Dämmmaterial, Wollteppiche, Dekostoffe aus Baumwolle, Leinen und Seide. Der komplette Umweltbericht ist auf der Interseite einsehbar. Preisbeispiel: Paket „Mini-Urlaub“, zwei Übernachtungen mit Bio-Halbpension, Massage, Saunanutzung und Aktivprogramm für 199 Euro (Doppelzimmer) in der Nebensaison, 209 Euro in der Hauptsaison, www.gutshaus-stellshagen.com.


Redaktion Melanie Lapp