Kosmopolit in Tassen und Bechern – Kaffee verspricht Genuss rundum
Café au lait, Cappuccino, Mokka – die Liste der vollmundig klingenden Namen für wohl eines der! Kultgetränke der Welt lässt sich beliebig erweitern, werden Kaffeespezialitäten heutzutage doch ganz selbstverständlich in aller Welt mit Genuss zubereitet und getrunken. Der Kult um die Bohne, die übrigens gar keine ist, treibt jedoch durchaus auch bizarre Blüten.

Kaffeepflanzen gehören botanisch zur Gattung Coffea und zählen damit zu der sehr artenreichen Familie der Rubiaceen, die hauptsächlich in den Tropen beheimatet sind. Als Baum oder Strauch können die Pflanzen je nach Sorte zwischen 10 und 15 Meter hoch wachsen, aus ihren weißen Blüten entwickeln sich dann nach etwa 7 bis 10 Monaten die im reifen Zustand hauptsächlich roten Früchte. Diese Kaffeekirschen enthalten meist zwei mit der flachen Seiten aneinander liegende Samen bzw. Steinkerne mit der typischen Furche an der flachen Seite – die sogenannten Kaffeebohnen. Im frischen Zustand sind die Samen gelblich-grau bis blau-grau und mit einer Pergamenthaut umgeben. Ihre charakteristische braune Färbung und den unverwechselbaren Duft bekommen die Bohnen jedoch erst durch die weitere Verarbeitung.
Historische Spuren: Die Kaffeepflanze auf Siegeszug
Der Ursprung des Kaffees reicht bis weit in die Vergangenheit, genauer in das 9. Jahrhundert, zurück. Entsprechend ranken sich phantasievolle Erzählungen und Mythen um seine Entdeckung und Verbreitung. Heute gilt die Region um die Provinz Kaffa im Hochland Äthiopiens als Heimat des Kaffeestrauchs, von wo auch eine der bekanntesten Legenden stammt: Demnach soll ein Ziegenhirt einige seiner Tiere beim Fressen roter Beeren beobachtet haben. In der Nacht schliefen alle Ziegen – nur eben diese nicht und der Kaffee war quasi entdeckt. Übrigens: Auch wenn es hier naheliegend scheint, leitet sich der Begriff „Kaffee“ nicht vom äthiopischen Ursprungsland ab, sondern vom arabischen „Kahwe“ oder „Qahwa“, was „Lebenskraft“ oder „Stärke“ bedeutet.
Etwa im 14. Jahrhundert gelangte der Kaffee wohl durch geschäftstüchtige Händler nach Arabien - ein Land, das sich durch den Kaffeeanbau eine Monopolstellung schaffte und streng darüber wachte. Handelszentrum und Hauptumschlagplatz für Kaffee wurde die jemenitische Hafenstadt Mocha oder Mokka – diesmal Namensgeber für gleichnamiges Getränk. Von hier aus verbreitete sich schließlich ab der Mitte des 15. Jahrhundert das mittlerweile aus gerösteten Bohnen hergestellte Getränk schnell nach Afrika, Asien und Ägypten.
Mitte des 17. Jahrhunderts entstanden die ersten Kaffeehäuser in Europa und erfreuten sich großer Beliebtheit. Dennoch war der Kaffeekonsum der wohlhabenden Bevölkerung vorbehalten, hielt doch die arabische Welt mit aller Macht an ihrer Monopolstellung fest, was den Kaffeepreis natürlich in die Höhe trieb. Das änderte sich jedoch mit Beginn der Kolonialisierung: Allen voran die Holländer spekulierten auf eigene Kaffeeplantagen, vermehrten im Geheimen Saatgut und brachten die Kaffeepflanzen auch in die heute bekannten Anbaugebiete. Systematische Kultivierung, steigender Konsum und die voranschreitende Industrialisierung schließlich eröffneten dem aromatischen Getränk völlig neue Möglichkeiten: Kaffee nahm bald eine der weltwirtschaftlich bedeutendsten Positionen ein.
Die weite Geschmackswelt der Bohnen
Die meisten verkauften Kaffees bestehen aus einer Mischung verschiedener Kaffeesorten und -qualitäten, doch die beiden für die Wirtschaft wohl bedeutendsten Kaffees sind die Sorten Arabica und Robusta - zusammen stellen sie über 95% der weltweiten Kaffeeproduktion. Etwa zwei Drittel davon wird durch den Anbau des Arabica gedeckt. Als Hochland- oder auch Bergkaffee, die Anbaugebiete beginnen ab einer Höhe von etwa 600 Metern ü. NN, ist er vor allem wegen seiner hohen Qualität und dem milden Geschmack beliebt. Die Sorte Robusta, entsprechend des Anbaus im Flachland auch Tiefland-Kaffee genannt, hat einen eher erdigen Geschmack und zeichnet sich durch einen hohen Koffeingehalt aus. Weitere Sorten, die auf dem Weltmarkt jedoch nur eine untergeordnete Rolle spielen, sind Excelsa, Stenophylla und Maragogype. Beliebt sind auch Kaffees aus Costa Rica und Kolumbien, doch als eine der besten und teuersten Kaffeesorten gilt der in Höhenlagen nur sehr langsam wachsende Jamaica Blue Mountain - handverlesen soll er auch höchste Ansprüche eines Kaffeekenners erfüllen.
Der Kaffee jedoch mit der skurrilsten „Herstellungsweise“ und damit auch der luxuriöseste Kaffee der Welt ist wohl der sogenannten Kopi Luwak. Nicht unumstritten entsteht diese exklusive Kaffeesorte auf sozusagen „natürlichem“ Weg durch den Verdauungstrakt der Schleichkatzenart Luwak. Sie frisst die Kaffeekirschen und scheidet anschließend fermentierte und damit geschmacklich veränderte Bohnen aus, die eingesammelt, gereinigt und geröstet werden.
Die Röstung macht’s
Erst durch die Röstung erhalten übrigens alle Kaffeebohnen ihr charakteristisches Aroma und den unverwechselbaren Duft, sprich: Nur unter Hitzeeinwirkung können sich die bis zu 800 einzelnen Aromastoffe, die sich in einer einzigen Kaffee-Bohne finden, auch wirklich entfalten. Dabei spielen Dauer, Temperatur und Röstverfahren eine entscheidende Rolle, die letztlich den Geschmack des fertigen Kaffees mitbestimmen.
Während der Röstung selbst werden chemische und physikalische Prozesse in Gang gesetzt, die nicht nur das typische Kaffeearoma hervorlocken, die Bohnen verändern auch ihre Farbe. Je nach Röstgrad schmecken heller geröstete Bohnen eher säuerlich, dafür weniger bitter, während sehr dunkel geröstete, ganz typisch hier etwa die Espresso-Röstung, mehr Bitterstoffe aufweisen. Doch das Aroma ist leicht flüchtig – die Bohnen werden deshalb in der Regel erst im Importland geröstet.
Mokka, Filterkaffee, Café au lait: Kaffee-Traditionen der Kulturen
Kaffee wird auf der ganzen Welt getrunken. Dabei variieren jedoch die Zubereitungsarten erheblich und geben einen faszinierenden Einblick in die individuellen Vorlieben der Kulturen:
In Deutschland und in den USA (hier wird der Kaffee gerne noch mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen aromatisiert) ist Filterkaffee noch immer eine der beliebtesten Methoden des Kaffeebrühens. Erfunden wurde das Verfahren, bei dem heißes Wasser tropfenweise auf das in einer Filtertüte befindliche Kaffeepulver gegossen wird, 1908 von Melitta Bentz – entsprechende Filtertüten sind noch heute in deutschen Haushalten täglich im Einsatz. Grob gemahlenes Kaffeepulver wird in Frankreich gerne mit der Press-Stempelkanne (auch klangvoll Cafetière genannt) zu einem schmackhaften Gebräu verarbeitet. Nach wenigen Minuten Ziehzeit wird der Kaffeesatz mit dem Metallsieb einfach auf den Boden der Kanne gedrückt. Die türkische Tradition kennt dafür ebenfalls eine spezielle Zubereitungsart: Mit reichlich Zucker und verschiedenen Gewürzen wie etwa Kardamom wird der sehr fein gemahlene türkische Kaffee in einem besonderen Kupferkännchen, dem sogenannten Cezve, aufgekocht und mitsamt Kaffeesatz in der Tasse serviert.
Eine der wohl bekanntesten Kaffee-Spezialitäten ist sicher der aus Italien stammende Espresso, der mit Milch verlängert, zum Cappuccino wird, während in heißen Ländern wie Griechenland gerne kalte Kaffeegetränke, etwa Eiskaffee oder Café frappé, genossen werden.
Finnen trinken den meisten Kaffee
Nicht die Italiener, nicht die Deutschen und auch nicht die Amerikaner – Finnland ist das Land mit dem höchsten Kaffeekonsum. Mit rund 12 kg Kaffeeverbrauch pro Person und Jahr liegen die Finnen noch vor Schweden, Belgien, Norwegen und Dänemark mit 8 bis 10 kg. Deutschland rangiert mit einem Wert von rund 6,5 Kg im oberen Drittel des weltweiten Vergleichs, während die Italiener und Griechen mit knappen 6 kg sogar noch weniger Kaffee trinken. Statistisch überraschend ist auch der Verbrauch im Land des Mokka: Mit nur rund einem halben kg pro Person und Jahr liegt der Jemen, aber auch die Türkei und viele andere arabische Länder mit ihrem Kaffeekonsum ganz weit hinten.
Fair Trade – fairer Handel
Kaffeebauern und Plantagenarbeitern bleibt auch heute noch häufig genug der geringste Anteil des gezahlten Preises für die körperlich harte Arbeit bei der Kaffeeproduktion– eine gerechte Bezahlung sollte da selbstverständlich sein. Mittlerweile gibt es verschiedene Organisationen, die mit ihrem Siegel gewisse Mindeststandards garantieren. Dazu zählen etwa festgelegte Mindestpreise, Prämien für Gemeinschaftsprojekte in den produzierenden Entwicklungsländern, Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit und allgemeine Umweltstandards.
Erste Informationen zum fairen Handel, die zum Weiterlesen anregen sollten, gibt es unter:
www.gepa.de oder unter www.fairtrade-deutschland.de
Tag des Kaffees am 28. September 2012
Kaffee ist beliebt – 86% der Erwachsenen trinken regelmäßig Kaffee, der mit 150 Litern pro Person und Jahr auf der Beliebtheitsskala noch vor Wasser und Bier liegt. Wohl der Grund, warum der deutsche Kaffeeverband e.V. den deutschen „Tag des Kaffees“ ins Leben gerufen hat. Als „verdiente Hommage an die braune Bohne“ steht der 28. September 2012 zum siebten Mal im Zeichen des beliebten Getränkes, der mit verschiedenen Aktionen und Events begangen werden soll.
Das Programm für 2012 und mehr findet man unter www.tag-des-kaffees.de.
Quelle:
Deutscher Kaffeeverband e.V. (http://www.kaffeeverband.de)
www.kaffeetraditionsverein.de
www.kaffeeblatt.de
Autorin: Michaela Hummel
