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Holz in der Hütte

Ökologisch Bauen mit Holzhäusern; Foto: Holzabsatzfonds

Der Bau von Holzhäusern und der Wunsch, ökologisch und energiesparend zu bauen, lassen sich spielend leicht vereinbaren. Die Wirtschafts-News zeigt Ihnen wie.

„Wie Menschen denken und leben, so bauen und wohnen sie.“ An wen mag der deutsche Kulturphilosoph, Theologe und Dichter Johann Gottfried von Herder gedacht haben, als er diese Worte sprach? Vielleicht an angehende Bauherren, die überlegen, in welcher Bauweise sie ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen wollen. Soll es ein Haus in konventioneller Bauweise sein, das von Architektenhand auf dem Reißbrett entstanden ist und dann Stein für Stein gebaut wird? Oder will man doch eher das Musterhaus, weil man dann schon vor dem ersten Spatenstich und dem Richtfest weiß, auf was man sich freuen kann? Derzeit hoch im Kurs steht der Wunsch, ökologisch zu bauen. Doch was versteht man eigentlich unter ökologischem Bauen und wie kann man Umweltschutz und Häuserbau überhaupt miteinander vereinen?

Das ökologische Bauen ist von dem Grundsatz geprägt, ein Haus den gegenwärtigen Bedürfnissen seiner Nutzer optimal anzupassen, ohne dass bei dieser Ausrichtung künftigen Generationen eine Nachnutzung aufgezwungen wird oder Entsorgungsprobleme entstehen. Gleichzeitig wird bei der Planung den Erfordernissen der Umgebung Rechnung getragen. Das Gebäude soll sich daher in den natürlichen Stoffkreislauf eingliedern. Landschaftsschutz, Infrastruktur sowie Verkehrserschließung sollten bei dieser Überlegung eine Rolle spielen. Ebenso wichtig ist die Wahl der Baumaterialien. Will man ökologisch bauen, muss man letztlich jedes einzelne Produkt, das beim Bau Verwendung findet, kritisch auf seine ökologischen Eigenschaften prüfen. So sollte man darauf achten, nachwachsende Baustoffe aus nachhaltiger Bewirtschaftung zu wählen, wie zum Beispiel Holz, das sich als Baumaterial immer größerer Beliebtheit erfreut. Auch Michael und Sonja Groß wohnen in einem Holzhaus. In Kubusform und mit klaren Linien und Formen thront es über den Dächern von Mainz und bietet einen herrlichen Blick über Hechtsheim. Begeistert ist das Ehepaar sowohl von der Modernität als auch der Umweltverträglichkeit des Holzhauses, dessen Fassade aus einer Konstruktion von Dachlatten besteht.

Baumaterial aus dem Wald
Dass Holzhäuser im Trend der Zeit liegen, belegen auch einige Zahlen: So wurden in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren von den Bauämtern dreimal so viele Einfamilienhäuser aus Holz genehmigt wie vorher. Waren es 1995 gerade mal 11 Prozent, so ist die Zahl heute auf 16 Prozent angestiegen. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Bad Ems ließen sich im Jahr 2008 insgesamt 1.419 Bauherren (25,3 Prozent aller Wohngebäude) die Errichtung eines Wohngebäudes aus Holz genehmigen, darunter waren 1.325 Einfamilienhäuser. In vorgefertigter Bauweise (Fertigteilbau) sollten insgesamt 1.508 neue Wohngebäude errichtet werden, davon 1.363 (90,4 Prozent) aus Holz als vorwiegend verwendetem Baustoff. In der gesamten Bundesrepublik wurden im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt 12.664 Wohngebäude aus Holz errichtet.

Ein weiteres Argument für das Bauen mit Holz ist auch die leichte Beschaffung des Baumaterials. In den heimischen Wäldern wachsen durch Aufforstungen jährlich 60 Millionen Kubikmeter Holz nach, aber nur zwei Drittel werden bisher genutzt. Doch nicht jede Holzart kann für den Hausbau verwendet werden. Geeignet ist vor allem die Fichte, weshalb sie auch als Brotbaum der Forstwirtschaft bezeichnet wird. Neben ihr sind auch Douglasien und Tannen als Nutzhölzer im Hausbau bekannt. Obwohl sich immer mehr Menschen für ein Wohnen im Holzhaus entscheiden, sind noch Vorurteile vorhanden, die sich nur mühsam aus der Welt schaffen lassen. Dazu gehört die Vorstellung, dass Holz keine lange Lebensdauer besitzt. „Holz, richtig verbaut, kann steinalt werden“, zitiert Holzbauingenieur Wulf Asendorf ein altes Sprichwort aus seiner Branche und entkräftet damit die Sorge, dass man mit einem Holzhaus nur einen Wohntraum auf Zeit baut.

Holzbau – eine Symbiose aus Ökonomie und Ökologie
Die Gesamtnutzungsdauer eines modernen Holzhauses wird mit 80 bis 100 Jahren angesetzt, also ebenso hoch wie die eines Hauses in konventioneller Bauweise.
Auch in Wartung und Unterhalt bedingen Holzhäuser keinen erhöhten Aufwand. Änderungen und Umbauten sind besonders einfach und kostengünstig durchzuführen. Die Lebensdauer ist nur ein Aspekt, der in eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung einbezogen werden sollte. Holzbauingenieur Asendorf nennt weitere wirtschaftliche Vorteile:
• Holz bietet uneingeschränkte architektonische Möglichkeiten. Denn Holzbauweisen sind flexibel, sie können selbst auf schwierigen Grundstücken errichtet werden.
• Holzkonstruktionen sind wahre Raumwunder, bei gleicher Bruttogrundfläche erlauben sie bis zu zehn Prozent mehr Wohnfläche als konventionelle Bauten.
• Ebenso wird der Traum vom Haus mit einem Holzhaus schneller Realität als bei einem herkömmlichen Massivhaus. „Ein Holzhaus ist in etwa 70 Prozent der Zeit fertiggestellt“, erklärt der Ingenieur, der sein Wissen aus jahrelanger Erfahrung zieht.
• Ein weiteres Argument ist der geringe Heizenergiebedarf. „Wir haben zeitweise im vergangenen Winter die Heizung ganz runtergedreht, da das Haus im Sommer genug Wärme gespeichert hatte“, erinnert sich Sonja Groß.
Trotz aller Vorzüge gibt es auch einen Wermutstropfen: Ein Holzhaus ist teurer als sein Pendant in konventioneller Bauweise – allerdings amortisieren sich langfristig die Zusatzkosten über den geringen Energieverbrauch.

Allergiker atmen auf
Holz vermittelt Behaglichkeit und sorgt für ein gesundes Raumklima. Im Sommer sind die Räume angenehm kühl und im Winter lassen sie sich schnell beheizen. Auch Allergiker können in einem Holzhaus im wahrsten Sinne des Wortes aufatmen. „Ich bin empfindlich gegen Hausstaub, doch seit wir im Holzhaus leben, ist die Allergie wie weggeblasen“, freut sich Sonja Groß. Auch allergische Reaktionen auf bestimmte Baumaterialien können nahezu ausgeschlossen werden, da Holzkonstruktionen keines chemischen Holzschutzes bedürfen und somit keine gesundheitsschädlichen Stoffe ausgedünstet werden.
„Ein Holzhaus muss nicht erst trocken gewohnt werden“, bringt Holzbauingenieur Asendorf ein weiteres wichtiges Argument an. Beim Einzug in ein neues Massivhaus habe man viel mit der Feuchtigkeit zu kämpfen, die beim Bau entsteht. Da man beim Bauen mit Holz sehr viel weniger Wasser benötigt, könne man den Gedanken an nasse Stellen an den Wänden in den ersten Monaten nach dem Einzug komplett ausklammern.

Auch wenn Sonja und Michael Groß nicht selbst Bauherren waren, sondern zur Miete in ihrem Wohntraum aus Holz leben, so würden sie sich beim Bau eines Eigenheims auf jeden Fall für ein Holzhaus entscheiden. „Ich kann mir nicht mehr vorstellen, in einem konventionellen Haus zu leben“, macht Michael Groß deutlich. „Wir haben ein hohes ökologisches Bewusstsein und denken in die Zukunft gerichtet, deshalb haben wir uns für das Wohnen in einem Holzhaus entschieden“, fügt er hinzu. Vielleicht dachte Johann Gottfried von Herder genau an solche Menschen als er seinen Ausspruch tat?

Redaktion: Claudia Krämer