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Generation 50 plus: Neue Trends beim altersgerechten Wohnen

Unsere zunehmend älter werdende Bevölkerung fordert und fördert neue Ansätze beim Thema „altersgerechtes Wohnen“. Dabei lösen kreative Ansätze wie Senioren-WGs oder gar ganze Stadtquartiere für Alt und Jung das Schreckgespenst Pflegeheim ab.

Großfamilien werden zu Ausnahmefällen, immer mehr ältere Menschen leben ohne Familienangehörige: Wo sich herkömmliche Strukturen auflösen, müssen sich alle zusammen auf die Suche nach neuen Lösungen und lebenswerten Wohnkonzepten machen, beeinflusst doch der demografische Wandel die Anforderungen an unseren künftigen Wohnraum erheblich. Denn schon im Jahr 2050 wird jeder Dritte 60 Jahre oder älter sein, so das statistische Bundesamt.

Dabei sind gute Lebensverhältnisse im Alter immer auch eine Frage von bedarfsgerechter Wohnraumgestaltung, schließlich verlagert sich das Leben eines Seniors mit zunehmender Immobilität mehr und mehr in die eigenen vier Wände. Um dann nicht zu vereinsamen, sind Nahversorgung und soziale Kontakte unerlässlicher Bestandteil eines altersgerechten Lebens zu Hause.
Gut beraten ist also, wer sich rechtzeitig mit diesem so wichtigen Thema auseinandersetzt und selbstbestimmt Entscheidungen treffen kann. Denn auch wenn statistisch betrachtet Menschen bereits mit dem Eintritt in den Ruhestand gerne zum „alten Eisen“ gerechnet werden, hat doch ein 60-Jähriger kaum die gleichen Bedürfnisse wie ein Mensch im hohen Alter von 90 Jahren. Wohl auch ein Grund, warum die klassischen Alten- und Pflegeheime weiterhin wichtig sein werden.

Zuhause ist es doch am schönsten: barrierefrei und seniorengerecht
Es ist der große Wunsch vieler älterer Menschen, den Lebensabend in der vertrauten Umgebung, im eigenen Zuhause verbringen zu können. Die Vorteile dieser Wohnform sieht auch der Staat, denn ein stationärer Pflegeplatz etwa kostet erheblich mehr als eine ambulante Betreuung. Doch häufig hindert allein die räumliche Ausstattung die Bewohner daran, auch bei zunehmender Immobilität in der heimatlichen Wohnung zu bleiben: Zu enge Türen, Bodenschwellen oder scheinbar unüberwindbare Treppen zwingen ältere Menschen dann zum ungewollten Umzug. Um hier Abhilfe zu schaffen, bieten etwa Städte oder Vereine sogenannte Wohnberatungen an. Bei einem Termin vor Ort wird dann geklärt, welche kleinen aber doch effektiven Baumaßnahmen eine deutliche Erleichterung für die alltäglichen Verrichtungen älterer Menschen bringen. Manche Länder halten hier übrigens finanzielle Fördertöpfe bereit.
Mindestens ebenso wichtig ist der Punkt der Nahversorgung: Öffentliche Verkehrsmittel in der Nähe, Einkaufsmöglichkeiten, ärztliche Versorgung und soziale Treffpunkte sind wesentlicher Bestandteil eines altersgerechten Lebensumfeldes.

Mobile Dienste: Betreuung im heimischen Wohnzimmer

Wenn Haushalt und Alltag beschwerlicher werden, der Senior aber nicht schwer pflegebedürftig ist, bieten sich die mobilen bzw. ambulanten Dienste an. Sie übernehmen die kleinen Dinge im täglichen Leben, wie etwa den Hausputz oder die Einkäufe und begleiten bei Arztbesuchen oder Spaziergängen. Ganz nach dem Grundsatz „so viel Selbstständigkeit wie möglich und so viel Hilfe wie nötig“ kann man aus einem breiten Angebot bestimmte Serviceleistungen auswählen. Anbieter sind in der Regel Sozialstationen, private Pflegedienste oder Wohlfahrtsverbände. Hier ist es ratsam, verschiedene Angebote einzuholen und Qualität und Preise zu vergleichen.

Zusammen geht’s gut: gemeinschaftliche Wohnformen liegen im Trend

Der Trend geht eindeutig zu Wohnprojekten, Senioren-WGs oder gar ganzen Wohnanlagen in denen Alt und Jung zusammenleben und sich gegenseitig ergänzen. Oft entstehen diese Wohnformen aus privaten Initiativen heraus.
Die Idee hinter diesen gemeinschaftlichen Wohnformen: Jeder behält seine Selbstständigkeit, doch gegenseitige Unterstützung und geselliges Miteinander sind schnell abrufbar und räumlich nahe. Dabei ist es zunächst einmal unerheblich, ob es sich um eine reine Senioren-WG handelt oder etwa um ein Wohnprojekt im Generationenmix – kollektiver Antrieb ist in der Regel der Gemeinschaftsgedanke. Schwierig kann es aber vor allem dann werden, wenn ein Bewohner pflegebedürftig wird. Auch wenn viele Wohnungen bzw. Häuser solcher Wohnprojekte bereits barrierefrei gestaltet sind, bleibt doch der pflegerische Aufwand. Interessenten sollten diese Fragen also bereits vor dem Einzug mit den übrigen Bewohnern klären.

Dennoch – das Zusammenleben von Jung und Alt ist erstrebenswerter Ansatz für die Zukunft. Nicht nur in eigenen Wohnprojekten, sondern für ganze Quartiere. Das sieht auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (bmfsfj) so und fördert über das Programm „Wohnen für (Mehr)Generationen – Gemeinschaft stärken, Quartier beleben“ rund 30 innovative Wohngemeinschaftsprojekte, die sich durch eine barrierefreie Architektur, eine aktive Einbindung und zahlreiche Freizeitangebote auszeichnen.

Mit gutem Gefühl: Leben in betreuten Haus- und Wohnanlagen

Das Konzept des betreuten Wohnens beruht auf einem eigenständigen Leben in einer speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnittenen Wohnanlage mit der rund um die Uhr verfügbaren Option auf schnelle Hilfe im Notfall und zusätzlich wählbaren Leistungen. Gemeinschaftsräume und Freizeitangebote sollen soziale Aktivitäten unter den Senioren fördern.
Grundsätzlich schließt der Bewohner einen Miet- bzw. Kaufvertrag für die Wohnung und einen Betreuungsvertrag ab. Doch auch hier gilt: Unbedingt im Vorfeld klären, welche Möglichkeiten im Falle einer Pflegebedürftigkeit vorhanden sind.

Lesetipps: Das Bundesministerium klärt auf
Wer bereits auf intensive Pflege angewiesen ist, dem bieten sich betreute Wohngemeinschaften an. Hier kann das eigene Zimmer individuell eingerichtet werden, während Küche und Badanlagen gemeinsam genutzt werden. Zur weiteren Erleichterung organisieren Betreuungskräfte Haushalt und Freizeit, dennoch wird Wert auf den Erhalt der Selbstständigkeit gelegt. Der Nachteil: Das enge Zusammenleben, wie in jeder Wohngemeinschaft üblich, erträgt nicht jeder ältere Mensch gleich gut.

Wohnen im Alter ist auch ein Thema des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (bmfsfj). Auf der Internetseite www.bmfsfj.de findet man unter „Ältere Menschen“ zahlreiche Informationen und Links dazu.
Ein guter Tipp ist die Broschüre „Leben und Wohnen für alle Lebensalter“ mit ersten Anregungen und Ratschlägen, ganz einfach runterzuladen unter der oben genannten Internetadresse und der Rubrik „Service“. Empfehlenswert ist auch der Ratgeber „Auf der Suche nach der passenden Wohn- und Betreuungsform - Ein Wegweiser für ältere Menschen“, den man ebenfalls hier bekommt.

Wer sich für gemeinschaftliches Wohnen interessiert, sollte auf der Startseite des bmfsfj in der Suchleiste die Stichworte „Broschüre Wohnen für (Mehr)Generationen“ eingeben. Hierin werden einige Projekte vorgestellt, zudem erhält man Tipps zum eigenen Aufbau einer Wohngemeinschaft.

Interessant dazu ist auch die Broschüre „Zukunftsprogramm Mehrgenerationenhäuser“, die man ebenfalls schnell mithilfe der Suchleiste findet.

Wohnberatung: So ist selbstständiges Leben zu Hause möglich

Barrierefreies Wohnen bedeutet vor allem ein selbstbestimmtes Leben auch im Alter, denn häufig sind es nicht die körperlichen Einschränkungen, die ein Leben im eigenen Zuhause schwierig machen. Die Tücken der alltäglichen Verrichtungen liegen vielmehr im Lebensumfeld selbst: Stolperfallen, bauliche oder ganz einfach fehlende Haltegriffe – hier kann eine Wohnberatung hilfreich sein, die ganz auf die individuelle Situation zugeschnittene Tipps etwa zu möglichen Umbaumaßnahmen gibt.

Wer sich dafür interessiert, wird auf der Seite www.barrierefrei-bauen.de schnell fündig. Angeboten werden etwa Checklisten zum barrierefreien Wohnen, qualifizierte Handwerker, Planer und Hersteller sowie Anlaufstellen für eine Wohnberatung in ganz Rheinland-Pfalz. Ähnliche Angebote gibt es übrigens auch in den meisten anderen Bundesländern.

Rheinland-Pfalz fördert „Wohnen im Alter“
Barrierefreies Wohnen erlaubt eine lange Selbstständigkeit in den eigenen vier Wänden. Genau das unterstützt das Land Rheinland-Pfalz mit zinsverbilligten Darlehen oder Zuschüssen. Gefördert werden bauliche Maßnahmen, die das Wohnen im Alter ermöglichen. Wichtig: Der Antrag auf Förderung ist unbedingt vor Beginn der Baumaßnahmen zu stellen. Weitere Informationen dazu erhält man über die Internetseite der Landestreuhandbank Rheinland-Pfalz: www.lth-rlp.de.

 

Redaktion M.H. - Foto istockphoto.com