Montag, 6. Februar 2012
Energetisch sanieren
Was bringen Energieberatung und Gebäudethermografie und worauf ist zu achten?

Vor 1975 war Bauen und Sanieren vergleichsweise einfach: Kaum jemand kümmerte sich um Wärmedämmung, alternative Energien oder Heizkosten – gesetzliche Vorgaben fehlten weitestgehend. Dann kam die Ölkrise und als eine der Konsequenzen daraus folgte ein Jahr später das erste Energieeinsparungsgesetz. Damit wurde die Bundesregierung erstmals ermächtigt, Maßnahmen zur Energieeinsparung bei Neubauten zu bestimmen. Heute gibt es bei Neubau und Sanierung soviel zu beachten, dass Bauherren durch die Verordnungen ohne Hilfe kaum noch durchsteigen. Auch ist nicht immer klar, welche Maßnahmen wirklich sinnvoll und notwendig sind. Helfen kann da eine Energieberatung – sofern sie seriös durchgeführt wird.
Insgesamt drei Mal wurde das Energieeinsparungsgesetz bisher überarbeitet. Die bislang letzte Novelle, die Energieeinsparverordnung (EnEV), ist datiert auf den Oktober 2009. Damit wurden die Anforderungen an Hausbesitzer und Käufer noch einmal verschärft. Wer nun ein Haus neu baut, muss beispielsweise darauf achten, dass dessen gesamter Jahresprimärenergiebedarf 30 Prozent niedriger ist als nach der EnEV 2007 erforderlich. Darüber hinaus muss die Dämmung der Gebäudehülle durchschnittlich 15 Prozent effizienter sein als bisher. Auch an den Besitzern von bereits bestehenden Häusern geht die EnEV 2009 nicht vorbei. Etwa müssen im Falle eines Eigentümerwechsels bei Ein- und Zweifamilienhäusern, die vor 2002 gebaut wurden, die Dächer und Heizungsrohre gedämmt werden. Außerdem muss sichergestellt sein, dass der Heizkessel nicht älter ist als 32 Jahre. Aber auch jenseits der handfesten gesetzlichen Vorschriften kann es sich lohnen, die Dämmung eines älteren Hauses zu überarbeiten. Energetische Sanierungen sind zwar kostenintensiv, rechnen sich aber über einen langen Zeitraum gesehen in jedem Fall, da die Heizkosten massiv reduziert werden können. Doch an welchen Stellen im Gebäude verstecken sich die heimlichen Energiefresser und wie ist es um die Dämmung von Dach und Gebäudehülle bestellt? Auskunft darüber gibt eine Energieberatung.
Gut beraten? Die Suche nach dem richtigen Energieberater
In den letzten Jahren ist die Zahl der Energieberater massiv angestiegen, die meisten davon arbeiten freiberuflich. Das Problem dabei: Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt – das macht es für Hausbesitzer natürlich ungleich schwerer, den richtigen Fachmann zu finden. Hans Weinreuter, Energiereferent bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, erklärt, worauf man bei der Wahl des Energieberaters achten muss: „Ein Gütezeichen gibt es leider nicht und die Qualität der Beratung fällt entsprechend unterschiedlich aus. Als Maßstab sollten sich die Kunden darüber informieren, wie viele Vor-Ort-Energieberatungen der Energieberater bereits durchgeführt hat. Auch sollte man sich Musterberichte zeigen lassen.“ Auch wenn allgemein gültige Kriterien fehlen – wichtig ist, dass der ausgewählte Energieberater beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gelistet ist, denn nur dann wird seine Beratungsleistung auch staatlich gefördert. Die entsprechende Liste findet man auf der Website des Amtes, www.bafa.de. Die Kosten für eine Energieberatung können – je nach Umfang und ohne Abzug der Förderung – bis zu 700 Euro betragen. Schon deshalb lohnt es sich, im Vorhinein die Verbraucherzentrale um Rat zu fragen. Hans Weinreuter empfiehlt eine kostenfreie Erst-Energieberatung: „Diese bieten wir in 62 Orten in Rheinland-Pfalz an und helfen damit bei der Wahl der richtigen Energieberater, zeigen aber auch auf, worauf beispielsweise bei der Auswahl der Handwerker zu achten ist.“ Über eine Hotline-Nummer (siehe Infokasten) kann man die genauen Termine und Orte erfahren und darüber hinaus auch Fragen zur Thematik stellen.
Gebäudethermografie – ja oder nein?
Eng verknüpft mit dem Thema Energieberatung scheint das Schlagwort Gebäudethermografie. Bei diesem Verfahren wird die Temperaturverteilung im Gebäude anhand von Aufnahmen mit der Wärmebildkamera sichtbar gemacht. „Warme“ Objekte, also die Flächen und Gebäudeteile, die einen hohen Wärmeverlust aufweisen, werden auf dem Wärmebild in Rot-Abstufungen angezeigt. Kühle Objekte, also solche mit einem geringen Wärmeverlust, sind in blauen Schattierungen markiert. Die Wärmebildaufnahmen machen damit auch versteckte „Wärmebrücken“ sichtbar. Das sind Gebäudeteile, die viel Wärme nach außen leiten, wie beispielsweise Rollladenkästen, Fensterbänke, Heizkörpernischen oder Geschossdecken. Doch ist eine Gebäudethermografie vor der Sanierung wirklich immer nötig? Hans Weinreuter ist skeptisch: „Wärmebildaufnahmen kosten, wenn sie Hand und Fuß haben, bereits etwa 400 Euro. Die Bilder zeigen allerdings nur, wo Wärme entweicht und nicht in welchem Umgang. Eine Vor-Ort-Energieberatung ist da im Vergleich aufgrund der Förderung auch nicht teurer, liefert aber wesentlich detaillierte Daten.“ So berechnet der Energieberater bei der Vor-Ort-Energieberatung den tatsächlichen Energieverbrauch des Hauses anhand verschiedener Kennzahlen und zeigt auf, an welchen Stellen wie viel Energie verloren geht und wo sich eine Dämmmaßnahme wirklich lohnt. „Davon hat der Kunde definitiv mehr, als von bunten Bildern, die keine genauen Daten liefern können“, fasst Weinreuter zusammen. Sinnvoll finde er Wärmebildaufnahmen hingegen dann, wenn es beispielsweise um die Überprüfung von Handwerkerleistungen geht. „Ist die Dämmung abgeschlossen, kann die Gebäudethermografie sehr schön zeigen, ob gleichmäßig gearbeitet wurde. Die Wärmebildaufnahmen sind daher eher als Kontrollinstrument sinnvoll und weniger im Vorfeld energetischer Sanierungen“, so der Energiereferent.
Noch ganz dicht? Dach- und Gebäudehüllendämmung
Nach der Energieberatung schließen sich meist Sanierungsmaßnahmen an. Dazu gehört häufig die Dämmung des Daches. Ist das Oberstübchen schlecht oder gar nicht gedämmt, wird bares Geld verschwendet, denn über das Dach können bis zu 30 Prozent der gesamten Wärme entweichen. Zudem sieht die EnEV 2009 vor, dass bis 2011 alle bisher ungedämmten, begehbaren Geschossdecken gedämmt werden müssen. Ein Dachdecker- oder Zimmereibetrieb kann fundiert über Sanierungsmaßnahmen, Materialien und staatliche Fördermöglichkeiten beraten. Aber nicht nur das Dach, auch die Gebäudehülle kann ein wahrer Energieverschwender sein. Wer energetische Maßnahmen am Haus plant, muss unbedingt daran denken, die Anträge zur staatlichen Förderung vor Baubeginn zu stellen. Und das lohnt sich – denn auch wenn nur eine einzelne Maßnahme durchgeführt, also beispielsweise nur das Dach gedämmt oder neue Fenster eingebaut werden, gibt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Geld dazu. Das macht die energetische Sanierung oder den Neubau zwar nicht unkomplizierter, dafür aber günstiger – und das ist ja schon mal etwas.
Energiespar- und Bautelefon der Energieberatung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz
Sprechzeiten:
Montag und Donnerstag: 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr
Dienstag: 9 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr
Tel.: 0 18 05 / 60 75 60 20
Die Beratung über diese Nummer kostet 0,14 Euro pro Minute aus dem deutschen Festnetz, maximal 0,42 Euro aus dem Mobilfunk. Mit den Telefongebühren sind die Kosten für die Beratung beglichen.
Redaktion: Angela Wilbert
