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Eine Hilfsorganisation für die ganze Welt

Wie der Verein „Ärzte ohne Grenzen“ dabei hilft, Kinderleben zu retten, zeigt das Beispiel der vierjährigen Martha Fulagbe aus der Demokratischen Republik Kongo.

Obwohl der Bürgerkrieg 2003 offiziell beendet wurde, ist die humanitäre Lage im Kongo noch immer eine der kritischsten weltweit. Aufgrund fortdauernder gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen Regierungskräften und Milizen ist die Zivilbevölkerung ständig Opfer von Plünderungen, Vertreibungen und Gewalt. Die Infrastruktur und das Gesundheitssystem sind in weiten Teilen des Landes zusammengebrochen. Unsauberes Trinkwasser, Mangel an Impfstoffen, unangemessene Behandlung von Fieber, Malaria oder Durchfallerkrankungen sind oftmals die Folge – eine akute Mangelernährung ist weit verbreitet. Leidtragende sind oft die Kinder, die auf Hilfe angewiesen sind. Wenn Hilfe vor Ort nicht möglich ist, dann müssen die Kinder dorthin gebracht werden, wo sie möglich ist – zu den „Ärzten ohne Grenzen“.

Ein Kind, das sein Leben diesem Verein zu verdanken hat, heißt Martha Fulagbe und kommt aus der Demokratischen Republik Kongo. Ohne die „Ärzte ohne Grenzen“ hätte die Kleine ihr Leben lang mit einer Behinderung leben müssen. Ihre Geschichte zeigt, wie selbstlos dieser Verein arbeitet und wie man ein Kinderherz wieder zum Lachen bringt.
Der Verein „Ärzte ohne Grenzen“ hat Projekte in rund 60 Ländern der Welt. Das Ziel ist die medizinische Nothilfe, in Ländern, in denen die Gesundheitsstrukturen zusammengebrochen sind oder Bevölkerungsgruppen unzureichend versorgt werden. Die Aufgabengebiete sind dabei sehr vielfältig: Wiederaufbau und Inbetriebnahme von Krankenhäusern oder Gesundheitszentren, mobile Kliniken zur Versorgung von ländlichen Gebieten, Impfprogramme, medizinische Versorgung in Flüchtlingslagern, psychologische Betreuung, Aufbau von Ernährungszentren, Wasser- und Sanitärprojekte sowie Gesundheitsversorgung von besonders gefährdeten Gruppen (z.B. Straßenkinder, Slumbewohner). Obwohl sich der humanitäre Zugang in manchen Regionen etwas verbessert hat, bleiben noch viele Gebiete im Landesinneren für die Arbeit der Organisation schwer zugänglich. Durch die schwierige Sicherheitslage, die riesigen Entfernungen und mangelnden Transportsysteme müssen die Ärzte oft unter erschwerten Bedingungen arbeiten. Aufgrund immer wieder aufflackernder Gewaltausbrüche ist der Verein in unregelmäßigen Abständen gezwungen, sich aus einzelnen Projektregionen zurückzuziehen und die Bevölkerung ihrem Schicksal zu überlassen.

Die Gründer: Eine Vision für die Menschlichkeit
1971 hatten einige junge französische Mediziner eine Vision: Die Schaffung einer Organisation, die sich auf medizinische Nothilfe spezialisiert und über nationale Grenzen hinweg Hilfe leistet. Sie gründeten die Organisation „Médecins Sans Frontières“ (MSF), auf deutsch „Ärzte ohne Grenzen“. Das internationale Netzwerk setzt sich aus Sektionen in 19 Ländern zusammen. Die deutsche Sektion gibt es seit November 1993. „Ärzte ohne Grenzen“ ist eine private internationale Organisation, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Regel Ärzte und Pflegekräfte sind, aber auch Vertreter zahlreicher anderer Berufe unterstützen aktiv die Arbeit. Zu den Aufgaben gehört es, Menschen in Not, Opfern von natürlich verursachten oder von Menschen geschaffenen Katastrophen sowie von bewaffneten Konflikten ohne Diskriminierung und ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, religiöser oder politischer Überzeugung, zu helfen. Da ihre Mitarbeit auf freiwilliger Basis beruht, sind sich die „Ärzte ohne Grenzen“ der Risiken und Gefahren bewusst, denen sie sich bei ihren Einsätzen aussetzen.

Ein kleines Leben ist in Gefahr
Die kleine Martha wurde von einem Motorrad angefahren und verlor dabei eine Menge Blut . Ihre Mutter hatte die Hoffnung bereits aufgegeben, da die notwendige ärztliche Versorgung vor Ort nicht gewährleistet werden konnte. Doch das Glück meinte es gut mit Mutter und Tochter. Die Vierjährige wurde zum „Ärzte ohne Grenzen“-Krankenhaus in Lubutu gebracht, das hohe medizinische Versorgung kostenlos anbietet. Martha fiel ins Koma, aus dem sie zur Freude ihrer Mutter nach sechs Tagen wieder erwachte. Aber ihr Bein erlitt durch den Unfall einen komplizierten Bruch. Nach der ersten Untersuchung stand für ihre behandelnden Ärzte schnell fest, dass der Knochenbruch nicht gut heilte. Sie brauchte eine Operation, denn ohne diesen Eingriff wäre ein Bein fünf Zoll kürzer als das andere und dies hätte der Kleinen für ihr weiteres Leben große Probleme bereitet. „Wir mussten Marthas Oberschenkel noch einmal brechen und setzten eine außenliegende Befestigung mit vier Nägeln ein, damit es richtig heilt“, erklärt der Operateur und Krankenhausdirektor Jérôme Mupenda.


Endlich ist es soweit
Nach acht Wochen des Wartens und Bangens, ob die Operation die gewünschte Heilung bringen würde, konnte Jérôme Mupenda gute Nachrichten an Mutter und Tochter überbringen: „Sie hat die Befestigung jetzt seit acht Wochen und wir werden sie in einer weiteren Operation entfernen. Ich bin sicher, dass sie schon bald in der Lage sein wird, normal zu gehen“. Die kleine Martha sitzt in ihrem Bett mit einem verwirrten Ausdruck im Gesicht. Die Nervosität ist ihr deutlich anzumerken, denn Martha versteht, dass etwas Großes passieren wird, aber nicht was. Der große Tag ist gekommen und Schwestern bringen die Kleine in den OP. Doch die Angst ist gewachsen und drei Schwestern müssen die Vierjährige festhalten, während sie die Narkose bekommt. Ihre Schreie werden leiser, ihr Arm fällt herunter und bald ist sie vollkommen ruhig. In einer längeren Operation werden die Nägel einer nach dem anderen entfernt und die Wunden verbunden. Martha wird nach dem Eingriff überwacht bis sie aus der Narkose aufgewacht ist und wieder mit ihrer Mutter zusammen sein kann. Dr. Jérôme ist glücklich und stolz, den beiden ankündigen zu dürfen, dass Marthas Operation gut verlaufen ist. Schon bald wird Martha ihre ersten Schritte ohne Metallnägel machen können, die ihr Bein zusammengehalten haben.

Fortschrittliche Operationen
Der Verein „Ärzte ohne Grenzen“ hat das Lubutu Krankenhaus 2006 aufgrund der hohen Sterberate in dieser Gegend übernommen. Ein funktionsfähiges Krankenhaus sollte entstehen, das eine hohe Qualität im Bereich der medizinischen Versorgung gewährleistet. „Vor der Übernahme durch die Organisation waren Operationen wie die bei der kleinen Martha nicht möglich“, erinnert sich Dr. Jérôme. Vor der Übernahme war er der einzige Operateur und konnte aufgrund der mangelnden Ausstattung nur einfache Operationen durchführen. Die Anzahl der Angestellten ist seit 2006 stetig von 43 auf 200 gestiegen. In den neuen Operationssälen kann das OP-Team, falls notwendig, gleichzeitig zwei Behandlungen durchführen.

Herzensbrecherin des Krankenhauses
Drei Tage sind seit der Operation vergangen. Die Vierjährige sitzt auf dem Krankenhausboden mit ihrer Wasserflasche in der Hand und ihrer Lieblingspuppe, die immer an ihrer Seite ist. Martha springt auf und tut so, als ob sie ihrer Puppe Wasser geben würde. Ihre Mutter hat Martha ihr schönstes Kleid angezogen und die Kleine bezaubert Patienten und Besucher mit ihrem Wesen, wenn sie an ihr vorbeigehen, die Puppe dabei immer fest in der Hand. Sie hinkt noch ein bisschen, aber mit etwas mehr Übung erwarten die Ärzte, dass sie bald ganz normal gehen kann. „Ich denke, sie wird wieder in Ordnung kommen“, sagt ihre Mutter. „Das Wichtigste für mich ist, dass sie nun in die Schule zurückkehrt und ihre Ausbildung aufholt“. Plötzlich fällt das Bein der Puppe ab und Martha steckt es schnell wieder zurück. Mit einem lächeln sagt ihre Mutter: „Sie hat gelernt, dass man Beine reparieren kann“.

„Ärzte ohne Grenzen“ ist neutral und unparteiisch und arbeitet frei von bürokratischen Zwängen. Um diese Unabhängigkeit zu bewahren, finanziert sich „Ärzte ohne Grenzen“ überwiegend aus privaten Spenden. Kindern wie Martha konnte Dank der Arbeit der Organisation gerettet werden, aber es gibt immer noch genügend Kinder, die in Krisengebieten leben und dringend auf Hilfe warten.

 

Spendenkonto:
Ärzte ohne Grenzen
Kontonummer: 97 0 97
BLZ: 370 205 00
Bank für Sozialwirtschaft