Bio – nicht mehr nur im Kühlschrank: „Grüner wohnen“ liegt im Trend
Bio liegt im Trend – ob beim Essen, der Kleidung oder sogar beim Reisen. Und auch in unsere vier Wände zieht der nachhaltige Lebensstil ein. Möbel aus ökologischem Holz oder recyceltem Abfall, Wände aus Lehm, ökologische Dämmstoffe und naturnahe Gartengestaltung sind Möglichkeiten, „grüner“ zu wohnen. Wir stellen Ihnen die aktuellen Trends vor.

Bio liegt im Trend – ob beim Essen, der Kleidung oder sogar beim Reisen. Und auch in unsere vier Wände zieht der nachhaltige Lebensstil ein. Möbel aus ökologischem Holz oder recyceltem Abfall, Wände aus Lehm, ökologische Dämmstoffe und naturnahe Gartengestaltung sind Möglichkeiten, „grüner“ zu wohnen. Wir stellen Ihnen die aktuellen Trends vor.
Früher kannte jeder mindestens einen „Öko“. Dieser stand unter dem Generalverdacht, sich ausschließlich von Müsli zu ernähren, Hemden aus Hanf zu tragen und seine gesammelten philosophischen Werke in Bananenkisten zu verstauen. So unwahr wie dieses Klischee schon damals gewesen sein mag, so realitätsfern ist es heute. Öko ist in, bio ist schick. Und was die Verbraucher für sich entdecken, greifen die Designer natürlich auf. (Schön) sichtbar wird das vor allem im Bereich ökologischer Möbel.
Mehr als nur Holz: ökologische Möbel
Nicht jeder Holzschrank ist so natürlich wie er aussehen mag. Im Verarbeitungsprozess können beispielsweise formaldehydhaltige Materialien zum Einsatz gekommen sein. Schadstoffe dieser Art können die Raumatmosphäre negativ beeinflussen und sensible Menschen sogar den ruhigen Schlaf kosten. Heute, wo Biomöbel den konventionellen Möbeln in punkto Design kaum mehr nachstehen, sind sie nicht nur für Allergiker zu einer echten Alternative geworden. Die Auswahl ist groß, die Bezeichnungen reichen von „Naturholzmöbel“, „Naturmöbel“ und „Biomöbel“ bis hin zu „ökologische Möbel“. Wer in diesem Dschungel der Begrifflichkeiten nicht den Überblick verlieren möchte, kann sich beim Kauf an den folgenden Zertifikaten orientieren.
Blauer Engel: Der blaue Engel war das erste Umweltzeichen, das weltweit eingeführt wurde. Seit 1978 beurteilt eine unabhängige Jury nach fest definierten Kriterien umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen. Den blauen Engel gibt es für Möbel, Matratzen, Wandfarben und vieles mehr.
FSC: Das Forest Stewardship Council (FSC) setzt sich für die umweltfreundliche, sozialförderliche und ökonomische Bewirtschaftung von Wäldern ein. Gegründet wurde die gemeinnützige Nicht-Regierungsorganisation 1993. Das FSC-Label auf Holzprodukten ist die Garantie dafür, dass das Produkt aus verantwortungsvoller Waldwirtschaft stammt. Hinter dem FSC-Label stecken 10 Prinzipien und 56 Indikatoren, die ein Produkt erfüllen muss.
ÖkoControl: Hinter dem Siegel ÖkoControl steht der europäische Verband ökologischer Einrichtungshäuser. In Zusammenarbeit mit dem Kölner eco-INSTITUT werden Möbel ausgezeichnet, die festgelegten Anforderungen an Gesundheitsverträglichkeit und nachhaltige Produktion entsprechen.
Recycle-Design: Wohnen mit Möbeln im zweiten Frühling
Müll stinkt und keiner will ihn haben – jedenfalls war das früher so. Mittlerweile hat sich das Verhältnis zum Weggeworfenen verändert und Abfälle werden nicht mehr nur als etwas zu Beseitigendes wahrgenommen, sondern als Wertstoffe. Und das liegt vielleicht nicht nur an der prognostizierten Rohstoffknappheit. Man darf die These wagen, dass auch einige Möbeldesigner den Ruf des Mülls verbessert haben, Stichwort „Recycle-Design“. Gemeint sind Entwürfe, in denen neben konventionellen Werkstoffen auch Weggeworfenes verbaut wird. Wer aber denkt, dass Müllmöbel damit zwangsläufig kostengünstiger sind, irrt. Möbel auf Basis von Recycle-Design sind häufig Einzelstücke, die auf dem Markt hohe Preise erzielen, ihre Erbauer sind zum Teil international renommierte Künstler. Ein prominentes Beispiel sind die Brüder Fernando und Humberto Campana aus Brasilien. Bereits in den 1980er Jahren begannen sie, Möbel aus Weggeworfenem zu bauen. Damals sprach in diesem Zusammenhang noch keiner von Nachhaltigkeit, ökologischer Produktion oder gar Recycle-Design. Die phantasievollen Entwürfe der Brüder gefielen einfach und machten den italienischen Möbelhersteller Edra auf sie aufmerksam. Viele Entwürfe der Campanas erschienen dort daraufhin als Serie und die Karriere der Brüder kam ins Rollen. Der Banquete-Chair, bestehend aus alten Kuscheltieren, oder der Favella-Sessel aus altem Holz werden nach wie vor verkauft. Im Jahre 2008 wurden die Brüder auf der Messe „Design Miami“ zu den „Designern des Jahres“ gewählt. Passend – stand die Messe doch unter dem Motto „Beyond Organic: Design in the State of Nature“ (dt.: Jenseits von Öko: Design im Naturzustand). Die Brüder selbst proklamieren einen nachhaltigen Umgang mit der Natur, den sie mit der Verwendung von Abfall als Werkstoff praktisch vorleben möchten. Das kommt gut an und beschert ihnen ein gutes Auskommen. Ihre TransPlastik-Lampen wurden 2007 über die London Albion Gallery verkauft, der Prived Oca Chandelier brachte bei einer Auktion von Phillips de Pury im Jahre 2008 knapp 60.000 Euro ein. Doch auch Deutschland hat bekannte Design-Stars. Zu ihnen zählt Oliver Schübbe. Sein bekanntestes Möbelstück ist der Pixel-Star. Der Sessel besteht fast vollständig aus recycelten Materialien, angefangen vom Gestell bis hin zu den alten Stoffen, mit denen die Polster bezogen werden. Durch den unterschiedlichen Bezug ist jeder Pixel-Star ein Unikat. Die Arbeiten des Recycle-Designers und seiner Mitstreiter kann man über die Internetplattform ZWEITSINN erstehen. Und ja, Umweltschutz spielt eine Rolle. Alle Möbel, die hier vertrieben werden, sind aus Altmöbeln oder aus Teilen von Altmöbeln gefertigt. Auf zweitsinn.de ist zu lesen: „Durch den Kauf eines ZWEITSINN-Möbels das z.B. 15 Kilogramm wiegt und aus Spanplatten besteht, sparen Sie – gegenüber dem Neukauf eines entsprechenden Möbels – 5,2 Kilogramm CO2 ein.“ (www.zweitsinn.de/Wissenswertes). Das ist schickes Design inklusive gutem Gewissen.
Web-Tipp: Auf www.recyclingboerse.org erfährt man mehr über den Arbeitskreis Recycling e.V. und dessen verschiedene Projekte. Auch Oliver Schübbe ist hier aktiv.
Alte Baustoffe neu entdeckt: Baumwolle in der Wand, Lehm an der Wand
Früher wurde Asbest bedenkenlos an allen erdenklichen Stellen in und am Haus verbaut. Ob im Fußbodenkleber, in der Wanddämmung oder im Blumenkasten – die „Wunderfaser“ war aufgrund ihrer vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten sehr begehrt. Dann rückten zunehmend die gesundheitsschädlichen Eigenschaften des Asbests in den Fokus und es wurde 1993 verboten. Seitdem hat das Bewusstsein für die Gesundheitsgefährdung durch Schadstoffe in den eigenen vier Wänden stetig zugenommen. Viele Menschen entscheiden sich bei der Renovierung heute für ökologische Alternativen. Ein gesteigertes Umweltbewusstsein, aber auch der Wunsch, sich möglichst wenigen Schadstoffen auszusetzen, ist dafür ausschlaggebend. Und so werden auch längst vergessene Baustoffe zunehmend wiederentdeckt. Lehm beispielsweise gehört zu den ältesten Baustoffen überhaupt und wird heute wieder als Putz für Wände verwendet. Die ökologischen Vorteile liegen auf der Hand: Lehm ist örtlich verfügbar, wird ressourcenschonend gewonnen und ist beliebig oft wiederverwertbar. Der gesundheitliche Aspekt liegt vor allem in der positiven Wirkung auf das Raumklima: Durch die Aufnahme und Abgabe von Wasserdampf reguliert Lehm auf natürlichem Wege die Luftfeuchtigkeit im Raum. Schimmel und trockene Luft im Winter sind somit passé. Positiv zu bewerten ist auch die wärmespeichernde Eigenschaft des Lehms. Auch die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: Als Rohmasse kann er beispielsweise als Schüttung in Zwischenböden ein- oder als Putzmischung auf Wände aufgebracht werden. Ganz so eindeutig wie beim Lehm sind die Vorteile ökologischer Dämm-Materialien nicht zu benennen. Die Rechnung „ökologisch = besser für Mensch und Natur“ geht nicht immer auf – zu viele Faktoren spielen hinein. So schlagen beispielsweise bei Dämm-Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen wie Kork oder Kokosnussfasern die langen Transportwege aus den zum Teil fernen Ländern zu Buche. Außerdem werden organische Faserdämmstoffe mit Bioziden und Flammschutzmitteln behandelt, um ihre langfristige Verwendbarkeit zu ermöglichen.
Web-Tipps: Der Dachverband Lehm gibt auf seiner Website www.dachverband-lehm einen interessanten Einstieg ins Thema Bauen mit Lehm. Auf der Website www.baunetzwissen.de
werden alle ökologischen und konventionellen Dämmstoffe kurz beschrieben und vorgestellt. Gut geeignet für einen ersten Überblick.
Grüner wird´s nicht: der naturnahe Garten
Ein Garten ist immer von Menschenhand gestaltet und niemals zu 100 Prozent Natur. Doch es gibt Tricks und Kniffe, mit denen das eigene Grün zumindest naturnah gestaltet werden kann. Dahinter steht meist der Anspruch, einheimischen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum zu schaffen. Eine Möglichkeit ist der Bau einer Trockenmauer. Der Name leitet sich von der Bautechnik ab: Anstatt die einzelnen Steine durch Mörtel miteinander fest zu verbinden, werden die Steine ohne Mörtel (also trocken) aufeinandergelegt. So entstehen kleine Hohlräume, die Insekten und Kriechtieren als Rückzugsraum dienen. Natursteine wie Kalk- oder Sandstein sind sehr gut zum Bau von Trockenmauern geeignet. Bei der Bepflanzung sollte man auf die Himmelsrichtung der Mauerseite achten. Wärmeliebende Pflanzen gehören auf die Südseite, auf der Nordseite gedeihen Pflanzen, die gerne im Schatten stehen. Entsprechende Bauanleitungen für Trockenmauern findet man in großer Menge im Internet. Da im naturnahen Garten die einheimischen Pflanzen und Tiere im Mittelpunkt stehen, sollte die Bepflanzung dementsprechend gestaltet werden. Es sollten vor allem solche Pflanzen und Stauden gewählt werden, die einheimischen Insekten, Vögeln und kleinen Säugetieren Nahrung und/oder einen Rückzugsort bieten. Die Website www.blumen-garten-pflanzen.de empfiehlt dafür beispielsweise Glockenblumen, Fingerhut, Thymian oder Blaukissen. Als Gehölze eigenen sich Sauerdorn, Hainbuche, Ilex, Zierjohannesbeere, Rosen, Schneeball, Pfaffenhütchen, Holunder, Obstbäume und Beerensträucher. Bei der Bewirtschaftung ökologischer Gärten gilt die Maxime: „So wenig menschlicher Eingriff wie möglich“. Der naturnahe Garten sollte aber keineswegs sich selbst überlassen bleiben, denn dann wird er schnell zum Wildgarten und ist für den Menschen nicht mehr nutzbar. Chemische Pflanzenschutzmittel (Herbizide, Pestizide) sind natürlich tabu und bei einem richtigen naturnahen Garten auch gar nicht mehr nötig. Fühlen sich beispielsweise Igel, Kröten oder Blindschleichen dort wohl, wird sich keine Schnecke mehr an den Salat trauen. Der beste Pflanzenschutz ist nun mal das natürliche Gleichgewicht. Auch auf mineralische Dünger sollte man verzichten. Organische Dünger wie zum Beispiel Kompost sind genauso effektiv. Für Balkongärtner gilt: besser keine Blumenerde mit Torfzusatz nutzen. Durch den Abbau von Torf werden Naturlandschaften zerstört und damit vielen Tieren die Lebensgrundlage entzogen. Beim Einkauf sollte man auf den Vermerk „torffrei“ achten. Vorsicht bei angeblich „torfreduzierten“ bzw. „torfarmen“ Produkten: sie besitzen meist immer noch einen Torfanteil von 60-80 Prozent. Neben Trockenmauer, heimischen Pflanzen und Torfverzicht gibt es natürlich noch zahllose weitere Gestaltungsmöglichkeiten für den eigenen Naturgarten. Mit etwas gärtnerischer Erfahrung, einem grünen Daumen und ausreichend Zeit kann sich jeder die Natur in den Garten holen.
Web-Tipp: Der Naturschutzbund (NABU) hat auf seiner Website www.nabu.de unter der Rubrik „Ökologisches Leben“/„Garten und Balkon“ einzelne Beiträge zum Thema Gärtnern eingestellt. Wer plant, einen naturnahen Garten anzulegen, wird aber an einer umfänglicheren Lektüre zum Thema kaum vorbeikommen.
