Ägyptenausstellung: Särge im Marktkeller
Inzwischen könnte man den berühmten Grabschatz des Tutanchamun wieder in Kairo bewundern, denn dort hat sich die Lage beruhigt. Doch warum in die Ferne schweifen, wenn ein Einblick in das mystische alte Ägypten auch in Wiesbaden möglich ist.

Die Ägyptenausstellung
Anfang dieses Jahres kostete der arabische Frühling den Despoten Hosni Mubarak sein Präsidentschaftsamt. Nun, im Spätsommer, sehen wir ihn vor Gericht, eingesperrt in einen Metallkäfig. Die Welt erwartet das Urteil, das über ihn gesprochen wird – vielleicht wird er mit dem Tod bestraft.
Während der wegweisenden Demonstrationen in Ägyptens Hauptstadt Kairo kam es nicht nur zu den bekannten unschönen Szenen, in denen die Polizei mit massiver Gewalt gegen ihre eigenen Landsleute vorging. Es kam auch zu Plünderungen und zu Gewalt gegen Gegenstände. Vor allem das Ägyptische Museum, unmittelbar am inzwischen weltberühmten Tahirplatz gelegen, blieb davon nicht verschont. Hier verwüsteten Randalierer Räumlichkeiten voller antiker Schätze von unermesslichem Wert, darunter etwa Götterfiguren aus dem legendären Schatz des Tutanchamun. Die Kostbarkeiten aus dem Grab des sagenumwobenen Pharaos befinden sich zu großen Teilen im Ägyptischen Museum. Es ist dem Einschreiten mutiger Zivilisten zu verdanken, dass „nur“ wenige der über 3.000 Jahre alten beschädigt oder gestohlen worden sind. Zwei Holzstatuen aus dem Grab Tutanchamuns sind bislang nicht wieder aufgetaucht.
Nach diesem turbulenten Jahresbeginn können historisch Interessierte nun wieder unbesorgt nach Kairo reisen und dort bestaunen, was der britische Ägyptologe Howard Carter und seine Helfer 1922 im Tal der Könige zutage förderten. Wer weniger reisefreudig ist, hat hingegen noch bis Ende des Jahres die Möglichkeit, im Wiesbadener Marktkeller in die antike Pharaonenwelt einzutauchen. „Tutanchamun – Reise in die Ewigkeit“ lautet der Titel der Ausstellung, die sich der Kultur des Alten, Mittleren und Neuen Pharaonenreichs widmet und die eben jenem Tutanchamun besondere Aufmerksamkeit zuteilwerden lässt. Nachbildungen von Särgen und Schreinen, der weltberühmten Goldmaske und des Herrscherthrons sind zu sehen. Auch die Damen der alten Zeit sind vertreten: Neben der berühmten Büste der Nofretete ist eine originalgetreue Grabkammer der Tutanchamun-Amme Maya, die in Zusammenarbeit mit der Universität Marburg gestaltet wurde, zu bestaunen. Wissbegierige können an Expertenführungen teilnehmen, die über die jüngsten Forschungen rund um das Thema Ägypten informieren.
Die Ausstellung
„Tutanchamun – Reise in die Ewigkeit“
noch bis 31.12.2011 im Marktkeller, Wiesbaden
Öffnungszeiten: tägl. von 10 bis 18 Uhr
Eintrittspreise: Mo-Fr: 12,50 Euro (erm.: 9,50 Euro), Familienticket 29 Euro
Sa & So: 14,50 Euro (11,50 Euro), 34 Euro
Das Ausstellungsticket gilt gleichzeitig als RMV-Ticket für das gesamte Verbundgebiet
Steckbrief Tutanchamun
Name: Tutanchamun (auch: Tutenchamun)
Todesalter: ca. 18 bis 20 Jahre
Beruf: altägyptischer König des Neuen Reichs
berufstätig von: 1332 v.Chr. bis: 1323 v.Chr.
Ehegattin (und Schwester/Halbschwester): Anchesenamun
Kinder: vermutlich zwei (eine Früh- und eine Totgeburt)
