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Food Fighters – Umwelt-Aktionsmeile in Wiesbaden

Bild: Michael Schieferstein

Taste the waste – wer kennt das Problem nicht. 20 bis 25 Millionen Tonnen wertvolle Lebensmittel landen in Deutschland jedes Jahr im Müll. Im Hinblick auf den Hunger in der Welt ein Desaster. Wertvolle Ressourcen verderben, überschreiten das Mindesthaltbarkeitsdatum oder werden vom Zulieferer schon vorher aussortiert. Die Food Fighters versuchen dem effektiv entgegenzuwirken und klären auf.

Gesundes Kochen hat oberste Priorität, jedoch wird am Sonntag den 29. September ausschließlich mit Ausschuss- und Überschussware von Handel, Industrie und Agrarwirtschaft gekocht. Das tut der Qualität des Essens keinesfalls einen Abbruch. Im Gegenteil, die Profiköche Michael Schieferstein, Andreas Schieferstein, Johannes Nicolay, Christian Schneider und Antonett Briese (Nudelmanufaktur Bremen) zaubern aus diesen durchaus verwendbaren und genießbaren Lebensmitteln kulinarische Köstlichkeiten. Auf der Umwelt-Aktionsmeile in Wiesbaden auf dem Marktplatz hinter der Marktkirche kann ab 11:30 Uhr geschlemmt werden. Unter dem Motto: „Topf statt Tonne“ werden hier 600 Essensportionen zubreitet, wozu alle Besucher eingeladen sind. Dort kann man sich also ein köstliches und kostenloses Mittagessen aus Lebensmitteln, die eigentlich im Müll gelandet wären, gönnen. Die Verschwendung von Lebensmitteln ist ein brisantes Thema, vom Handel aussortiert ist die Ware meistens noch einwandfrei. Die Umweltberatung und Michael Schieferstein machen auf  die massenhafte Verschwendung aufmerksam. Unterstützt wird das Projekt von der Tafel Mainz und Wiesbaden, den Schülern der Louise-Schroeder-Berufsfachschule Wiesbaden und dem Umweltladen Wiesbaden. Außerdem wird das neue Buch „Projekt Globaler Wegwerf-Wahnsinn“ von Michael Schieferstein präsentiert und verschiedene Umweltverbände und Organisationen stellen ein vielfältiges Programm auf die Beine. Die Food Fighters sind an vielen solchen Aktionen beteiligt und beschäftigen seit mehr als 20 Jahren mit der Problematik. Sie stehen für eine nachhaltige optimale Nutzung von Lebensmitteln und sind gänzlich unabhängig von wirtschaftlichen Interessen der Industrie, des Handels und sind zudem überparteilich. An vielen weggeworfenen Lebensmitteln ist das Mindesthaltbarkeitsdatum schuld, das, wie der Name schon  sagt, nicht den Verfall des Lebensmittels darstellen soll, sondern nur eine Absicherung des Händlers gegenüber dem Kunden ist. Viele Lebensmittel sind noch weit darüber hinaus genießbar, jedoch werden diese in den Supermärkten in den Müll geworfen und anschließend vernichtet. Das „Containern“ in Supermarktmülltonnen ist gesetzlich verboten – Eigentum des Supermarkts im Wert von Null Euro – selbst Gemüse ohne Macken wird weggeschmissen. Die Food Fighters versuchen es vor der Vernichtung in Nacht- und Nebelaktionen zu bewahren. Oftmals finden sie kistenweise genießbare Lebensmittel auf ihren Container-Zügen durch die Stadt. 45 Prozent der Lebensmittel werden vom Supermarkt aussortiert, wobei es ein  großer Teil gar nicht erst in den Handel schafft. Die sogenannte B-Ware oder nicht normgerechtes Gemüse wandert schon vorher in den Rachen der Mülltonne. 35 Prozent sind es allein in privaten Haushalten, meistens durch mangelnde Aufklärung über das Mindesthaltbarkeitsdatum oder Güternormen, wobei immense Summen an Geld verschwendet werden. Ziele der Food Fighters sind an oberster Stelle die Aufklärung, das Engagement als Essensretter, die Erziehung einer neuen Generation von Konsumenten durch Schulprojekte wie die Wiedereinführung der Nutzung von Schulgärten, Vermittlung von Wissen in Pilotprojekten und die Änderung des Lehrplans durch Aufnahme einer Grundausbildung in Ernährung. Früh übt sich, somit ist es nur von Vorteil, wenn die Kinder in Sachen Konsum und Ernährung so früh wie möglich aufgeklärt werden. Die Schule ist dafür ein gutes Umfeld und kann enorm zur Weiterbildung in diesem Bereich beitragen, der ein doch so wichtiger und alltäglicher Lebensbestandteil ist. Zudem setzen sich die Food Fighters für die Förderung der regionalen Strukturen ein, um lange Transportwege zum umgehen und die einheimische Landwirtschaft zu stärken. Die Überschüsse des Einzelhandels müssen dringend auf die Grundversorgung der Gemeinschaftsverpflegung umgeschichtet werden, wobei Frische und Güte natürlich oberste Priorität haben. Es gibt mittlerweile viele Organisationen dieser Art in ganz Deutschland, so auch in Mainz, wo zum Beispiel über das soziale Netzwerk Facebook in der Gruppe Foodsharing Lebensmittel verschenkt werden, die übrig geblieben oder schlichtweg zu viel für diejenige Person sind. Wenn jeder auf seinen Konsum und die Ernährung achtet, kann schließlich etwas bewegt werden, um der Massenproduktion und der heutigen Konsumgesellschaft, die im Überfluss lebt, entgegenzuwirken.

Weitere Informationen auf www.foodfighters.biz

Redaktion: Anne Haas