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Ottifanten erobern die Kunstszene

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Susi Sorglos, Harry Hirsch und der Tarzanschrei. Ein nostalgisches Gefühl, ich denke an die frühen Jahre meiner Schulzeit. Wir zitierten den Rächer der Entnervten und imitierten diesen legendären Hüpfgang. Otto Waalkes. Heute ist er in Mainz. Persönlich. Zu Gast auf seiner Ausstellung im alten Postlager am Hauptbahnhof. Autogrammstunde. Mit dabei: Youtube-Star Torge Oelrich, besser bekannt als Freshtorge. Vermutlich geht es auch darum, „Kartoffelsalat“ zu promoten, Oelrichs erste Kinoproduktion. Otto versteht sich als sein Mentor und spielt in dem Streifen eine Gastrolle.

Als Mitarbeiter und Teilhaber des Reprion- Verlages ist mein Arbeitsalltag normalerweise eher von Büroarbeit geprägt, Verwaltungskram, ein bisschen Vertrieb, IT und so weiter und so fort. Anders als unsere Redakteure bin ich ja auch kein Journalist, habe das  Schreiben nicht wirklich gelernt. Dennoch freue ich mich darauf, das seitens des Mainzer City Marketings unterbreitete Angebot, den Meister zu interviewen, persönlich wahrzunehmen.

Aber was frage ich ihn?  Finde ich etwas, was man nicht schon x-mal in anderen Zeitungen lesen konnte?  Und bemühe ich mich um Ernsthaftigkeit oder ziele ich lieber auf Blödelei ab?  Versuche ich, die künstlerische Aussage seiner Exponate zu beleuchten oder ergründe ich, warum seinerzeit weder Goethe-Institut noch Reich-Ranicki sein Schaffen in angemessener Weise zu würdigen wussten? Schließlich war er es doch, der mit seiner Interpretation des Erlkönigs – vielleicht der bekanntesten überhaupt - den Literaturklassiker einem breiten Auditorium zugänglich machte.

Vorsichtshalber finde ich mich schon eine halbe Stunde vor dem vereinbarten Termin in der Ausstellungshalle ein, so habe ich dann auch noch Gelegenheit, zu bewundern, mit welcher Ruhe, Freundlichkeit, ja stoischen Geduld so ein Star seine Pflicht erfüllt. Harte Arbeit, denke ich. Ein Autogramm hier, eine Umarmung da. Posieren mit aufgerissenen Augen und ottotypischem Grinsen. Shakehands.  Der Andrang ist riesig, die Schlange der Fans ellenlang, alle Altersgruppen sind vertreten. Dann ist es soweit: Otto bittet mich in eine etwas ruhigere Ecke und gibt mir die Gelegenheit, meine Fragen zu stellen.

Wirtschafts-News:
Otto, ein spezielles Erkennungsmerkmal ziert alle Ihre hier ausgestellten Werke, marketing-technisch die konsequente Verfolgung einer CI-Linie. Ich rede von den „Ottifanten“. Wie lange gibt’s die eigentlich schon?

Otto:
Och, schon ewig, schon seit meiner Schulzeit. Ich war so fünfzehn oder sechzehn, eigentlich sollte es ein Selbstporträt werden, ist aber nicht ganz gelungen. Ich dachte, das sieht ja gar nicht aus wie Otto, sieht ja mehr aus wie ein Elefant, die Nase wie ein Rüssel, die Ohren viel zu groß. Dann habe ich die Nase einfach noch länger gemacht, die Ohren noch größer, vier kleine Beinchen drunter, Schwänzchen dran und geboren war der Ottifant. War dann auch in unserer Schülerzeitschrift und so.

Wirtschafts-News:
Sie besitzen noch ein weiteres Markenzeichen, so ein etwas hektisches Gehampel, was an die Bewegung eines Kängurus erinnern könnte.

Otto:
Ja, der Ottogang. Den gibt’s sogar noch länger. Schon als Kinder sind wir so den Deich hoch und runter gehoppelt, beim Ostereier suchen zum Beispiel. Das hat viel Spaß gemacht.

Wirtschafts-News:
Wir sind ja hier in Mainz, Warum haben Sie sich gerade diesen Ort für Ihre Weltpremiere ausgesucht?

Otto:
Ich hab mir das nicht ausgesucht. Mein Kurator, der Galerist Dirk Geuer hat mich gebeten, eine Ausstellung in Mainz zu machen. Zuerst hab’ ich ihn auch gefragt, warum gerade in Mainz? Er sagte mir: „Ist doch klar, Mainz ist ein großer Ausstellungsort“  - ah, da kommt er übrigens gerade -  „wenn du es dort schaffst, dann schaffst du es überall, in der ganzen Welt. Mainz ist der Härtetest.“  Das fand ich sehr einleuchtend.

Wirtschafts-News:
Haben Sie zu Mainz darüber hinaus eine besondere Beziehung? 

Otto:
Zu Mainz hatte ich schon immer eine besondere Beziehung, schließlich sitzen hier ja meine Arbeitgeber, das ZDF und so weiter.  Außerdem hab’ ich noch weiterführende Ambitionen: da gibt’s doch diese Kirche, ich meine die mit den Chagall-Fenstern, Ottifanten wären dort doch auch nicht schlecht.

Wirtschafts-News:
Apropos ZDF, ist es eigentlich richtig, wenn man den Ottifanten als entfernten Verwandten der Mainzelmänchen bezeichnet?

Otto:
Ja, aber die Ottifanten gab’s schon eher.

Wirtschafts-News:
Sicher?

Otto:
Ja ja, das weiß ich ganz genau, ganz sicher, da gab’s das ZDF noch gar nicht.  HarHar!  (mit ottotypischer Grimasse und gehobener Stimme) 

Wirtschafts-News:
Der Untertitel der Ausstellung lautet „Sein Lebenswerk“  Das hat so einen retrospektiven Charakter

Otto:
Aber keinen abschließenden Charakter!

Wirtschafts-News:
Das wollte ich fragen. War’s das, oder können wir von Ihnen noch was erwarten?

Otto:
Natürlich. Jetzt beginnt doch das eigentliche Leben. Das neue für mich ist, dass die Malerei noch dazu gekommen ist, und das stellen wir ja gerade aus - in groß, dazu auch noch in Mainz, im Zentrum der Kultur. Eine große Herausforderung für mich, da weiterzumachen. Ich sehe doch die Begeisterung der ganzen Leute und möchte das fortsetzen.

Wirtschafts-News:
Vielen Dank, für das Gespräch. Ob Kunstausstellung oder Live-Event in der Phönixhalle, ich hoffe, die Mainzer werden noch häufig Gelegenheit haben, Ihre Veranstaltungen zu besuchen.

Otto:
Bestimmt, Mainz ist immer eine Reise wert.

Nach dem Interview traf ich Dirk Geuer, Kurator und Ausstellungsmacher mit besten Verbindungen. Er hatte auch schon Jörg Immenhof und James Rizzi in die Gutenberg-Stadt geholt. Ich nahm die Gelegenheit wahr, auch an ihn die Frage nach den Motiven für die Standortwahl zu richten: Warum ausgerechnet Mainz? Daraufhin betonte er seine langjährige Verbindung zu August Moderer, dem Geschäftsführer der mainzplus CITYMARKETING GmbH. Seinem Vorstoß habe man folgegeleistet und das habe dazu geführt, das alte Postlager als Ausstellungsort zu wählen. Auf die Frage, wie es weiter gehe, ob man sich als Mainzer auf weitere Kunstausstellungen freuen dürfe, hielt Geuer sich bedeckt: „Darüber spreche ich erst wenn wir alles in trockenen Tüchern haben“. Er beteuerte jedoch, dass bereits „etwas in der Pipeline“ sei.

Redaktion S.K.
Bilder: Peter Hönnemann, mainzplus CITYMARKETING GmbH