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Mainz auf dem Abstellgleis

Bild: mainz.de

60.000 Reisende zählt der Mainzer Hauptbahnhof jeden Tag – große Einschränkungen für diese im normalen Betrieb, die bis Ende August anhalten werden. Die Bahn nimmt Stellung zur momentanen Situation.

Der neueste Stand der Ausweitung des Problems vom Mainzer Hauptbahnhof ist, dass eine bundesweite Dienstplanüberprüfung in allen 400 Betrieben vorgenommen werden soll. Außerdem sollen frühere Fahrdienstleiter wieder in den Dienst zurückgeholt werden. Große Ankündigungen – die Bahn gelobt Besserung der Umstände, die nicht nur in Mainz vorherrschen sollen. Vor Ort herrscht ein massiver Mangel an Fahrdienstleitern im Stellwerk, welches zu starken Problemen und Zugausfällen führt. Der Regionalverkehr läuft nur eingeschränkt und der Fernverkehr wird umgeleitet. Die S-Bahnen fahren anstatt halbstündlich nur noch stündlich und die Linie Worms-Mainz ist besonders betroffen – hier erfolgte ersatzlose Streichung von Zügen morgens und nachmittags im Berufsverkehr. Normalerweise ist der Hauptbahnhof Mainz ICE und IC Haltepunkt der täglich von 104 Fernzügen und 311 Nahverkehrszügen angefahren wird. Bis Ende des Monats soll dieser Normalzustand wieder eintreten. Von 15 Fahrdienstleitern im Mainzer Stellwerk fehlen acht wegen Krankheit und Urlaub. Der geplante Versuch diese aus dem Urlaub, mit Übernahme der Kosten von der Bahn, zurückzuholen, ist gescheitert. Die Bundesnetzagentur droht mit einer Strafe von 250.000 Euro, sollten nicht unverzüglich geeignete Maßnahmen zur Besserung der Situation seitens der Deutschen Bahn ergriffen werden. Wahrscheinlich ist hier ein Imageschaden entstanden. Diesen befürchtet die Stadt Mainz für sich, da die Pendler nicht gut gestimmt sind und der Tourismus wegen mangelnder Verkehrsanbindung gebremst wird. Die Bahn reagiert: Bahnchef Rüdiger Grube unterbricht seinen Urlaub und stattet dem Mainzer Stellwerk persönlich einen Besuch ab, um sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Geplant ist der Aufbau einer mobilen Fahrdienstleiter-Reserve, die für weitere Bahnhöfe in der Umgebung geschult sind, um im Notfall eingesetzt werden zu können. Außerdem sollen zusätzliche Fahrdienstleiter ausgebildet werden, was aber eher als langfristige Lösung zu betrachten ist. Hintergrund des Mangels an Personal sind Überalterung und Nachwuchsmangel, den man jetzt auszugleichen versucht. Die bundesweit angespannte Situation hat ihre Folgen: Der Vorstand der DB Netz AG wird entlassen und die Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft verlangt mehr Einfluss auf die Dienstpläne der Bahn. Auch eine Umrüstung von mechanisch betriebenen Schaltzentralen auf elektronisch betriebene Stellwerke soll Besserung bringen. Schließlich gilt festzuhalten, dass die Problematik des Personalmangels nicht nur ein Mainzer, sondern ein bundesweites Problem zu sein scheint.

Redaktion: Anne Haas