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„Essen retten- nachhaltig genießen“

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Wiesbaden - Unter dem Motto „Essen retten- nachhaltig genießen“ veranstalten die FoodFighter in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eine Open Air Kochshow auf dem dritten hessischen „Tag der Nachhaltigkeit“ in Wiesbaden. Der Wiesbadener Schlossplatz wird am 17.09.2014 von 12.00- 15.00 in eine Kochbühne verwandelt. Michael Schieferstein, sein FoodFighter Team und 20 weitere ehrenamtliche Helfer kochen an diesem Tag aus aussortierten, aber einwandfreien Lebensmitteln für alle Interessierten und Schaulustigen. Dabei soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass aus vermeintlich schlechten Lebensmitteln noch ein köstliches Menü gezaubert werden kann.

2012 präsentierte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen der durchgeführten Studie zusammen mit dem Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart noch, dass jedes achte Lebensmittel in Deutschland im Müll landet. „Heute ist es jedes dritte“, korrigiert Michael Schieferstein, Gründer der FoodFighter. Von ihm kommt knallharte Kritik an der Studie in seinem Buch „Projekt: Globaler Wegwerf- Wahnsinn“. Seinen Berechnungen zufolge müssten die Zahlen weitaus höher liegen. Es seien 120-150 kg pro Jahr, die jede Person im Jahr wegwirft, wenn man Bürger, Gastronomie, Industrie und Agrarwirtschaft zusammen berücksichtigt. Das ergibt einen Gesamtwert von 25- 30 Millionen Tonnen Lebensmittelverschwendung pro Jahr. Tendenz steigend. Erschreckend ist hierbei die Tatsache, dass nicht hauptsächlich verdorbene Lebensmittel in Privathaushalten weggeschmissen werden, sondern Lebensmittel, die nicht mehr appetitlich aussehen. Dies gilt in erster Line für Obst und Gemüse, welches bekanntlich recht schnell Druckstellen durch langes Liegen oder durch falsche Lagerung bekommt. Viele weitere Produkte landen auch aufgrund von Unwissenheit oder Missverständnis in der Tonne: Der Begriff Mindesthaltbarkeitsdatum bedeutet nicht, dass das Produkt sofort nach Ablauf des Datums ungenießbar ist. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist nämlich kein Verfallsdatum. Die einzige Ausnahme stellen leicht verderbliche Produkte wie Hackfleisch oder Geflügel dar. Hier kann von einem Verfallsdatum gesprochen werden, da diese Produkte wirklich bis zum genannten Datum aufgebraucht werden sollten. 

Zu-Gut-Für-Die-Tonne-App 

Um die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine App entwickelt, die es dem Nutzer ermöglichen soll, tolle Rezepte für die noch zu verwertenden Lebensmittel zu finden. Viele Starköche haben ihre Rezepte in der Zu-gut-für-die-Tonne App veröffentlicht. Eine solche Patenschaft hat auch FoodFighter Michael Schieferstein übernommen. 

FoodFighter im Einsatz

Zum einen auf die großen Mengen der Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen, zum anderen die Aufklärung im Umgang mit Lebensmitteln voranzutreiben, das haben sich die FoodFighters zum Ziel gemacht. Dies geschieht sowohl durch öffentliche Aktionen wie im vergangenen Jahr „Taste the waste“ auf der Wiesbadener Umwelt- Aktionsmeile (wir berichteten) als auch durch Projekte in Schulen. Im vergangenen Schuljahr hatten die Viertklässler der Goethe Grundschule in Mainz die Möglichkeit, eigenständig das Zubereiten und Verzehren von gesunder, nachhaltiger Ernährung zu erkunden. Das Schulprojekt „ABC der Lebensmittel- Wertschätzung“ erstreckte sich über 39 Wochen à 2 Schulstunden. Dieses Projekt wurde von der Bundesregierung als „beispielhaft“ gewürdigt und soll aufgrund des Erfolges auch im neuen Schuljahr wieder angeboten werden. „Wenn wir dieses Projekt erfolgreich abschließen, ist das der Beweis dafür, dass es an allen Grundschulen, Haupt- und Realschulen möglich sein sollte, ein Schulfach über nachhaltiges Kochen und gesunde Ernährung einführen zu können. Wir wollen, dass es Teil des Lehrplanes wird“, so FoodFighter Gründer Michael Schieferstein. Die Kinder scheinen das auch für eine gute Idee zu halten. Schieferstein berichtet, dass das neue Lieblingsfach der Kinder sie dazu animiert hat, eigenständig, gesund und nachhaltig zu kochen. „Jetzt sagen die Kinder den Eltern, was sie essen wollen“, erzählt er stolz. Nun ist die Aufmerksamkeit auch in der (Bildungs-)Politik erreicht worden, die dieses Thema benötigt. Somit sollte es möglich werden, die Politik zum Bau von Küchen in Schulen, oder zur Errichtung von Schulgärten zu bewegen. 

Schieferstein hatte die FoodFighters im Jahr 2012 gegründet und mit seiner ersten Aktion in Wiesbaden große Zustimmung gefunden. Die Philosophie des von Haus aus gelernten Koch und Küchenmeisters ist die komplette Verarbeitung von Lebensmitteln. Dazu gehört es auch, Obst oder Gemüse mal selbst anzubauen und sich nicht von Fertigprodukten zu ernähren. Darüber hinaus sollen auch diejenigen gesundes Essen erhalten, die es sich nicht immer leisten können. Jede Woche wird Überschuss- und Ausschussware deutschlandweit an Tafeln, Mutter- Kind- Heime oder Suppenküchen weitergeleitet.

1,5 Tonnen verwendbarer Lebensmittel wurden allein in der letzten Woche gerettet. Auch für die Open Air Kochshow rechnet Michael Schieferstein mit einer Menge an Lebensmitteln von mindestens einer Tonne. Die Überschuss- und Ausschussware kommt an diesem Tag aus der Agrarwirtschaft und Großmärkten. Aktive Unterstützung erhalten die FoodFighter bei Kochen und Aufklären zum einen von Priska Minz, der hessischen Umweltministerin und zum anderen von Wiesbadens Oberbürgermeister Sven Gerich. Zum kostenfreien Verzehr sind alle herzlich eingeladen zu helfen. 

Redaktion: Kerstin Kutscher 

 

Weitere Informationen unter: 

www.foodfighters.biz, 

https://www.facebook.com/pages/Food-Fighters/312519005487928?fref=ts 

https://hessen-nachhaltig.de/tag-der-nachhaltigkeit,

https://www.zugutfuerdietonne.de/warum-werfen-wir-lebensmittel-weg/wie-viel-werfen-wir-weg/