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Wiesbadener Unternehmen kauft Osteiner Hof

Nach langem Ringen steht es nun fest: das Barockpalais direkt am Mainzer Schillerplatz geht an private Investoren. Bisher hat die Bundeswehr in dem 250 Jahre alten Osteiner Hof residiert, diese zieht jedoch zum 31. März vollständig aus. Aufgrund horrender Sanierungskosten schloss die Stadt Mainz nach langen Diskussionen den Erwerb des Prachtbaus schließlich aus. Nun stellt sich die Frage, welche Zukunft dem Fastnachtswahrzeichen, von dessen Balkon alljährlich mit dem Verlesen der Fastnachtscharta die fünfte Jahreszeit eröffnet wird, ab April blühen wird.

Ein Jahr hat das Schwanken um den Verbleib des Osteiner Hof gedauert. Bereits 2008 wurde das Adelspalais für einen Kaufpreis von neun Millionen Euro zum Verkauf angeboten. Während lange die Stadt Mainz als wahrscheinlichster Käufer gehandelt worden war, machte sie der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) im April 2013 deutlich, dass ihr keine Mittel für den Kauf der Immobilie nach ihrer Aufgabe durch die Bundeswehr, die das Gebäude in den letzten 58 Jahren genutzt hat, zur verfügen stehen. Nachdem der, als potentieller Investor gehandelte, türkische Geschäftsmann Abdurrahman Karamanlioglu im März desselben Jahres bereits zu dem Schluss gekommen war, dass sich der Osteiner Hof, durch die Notwendigkeit von Sanierungskosten in zweistelliger Millionenhöhe, nicht für privatwirtschaftlichen Nutzen eigne, schien die Zukunft des Hofes im Sommer letzten Jahres noch sehr unklar. Im Oktober 2013 musste auf der Münchner Immobilienmesse Expo Real für Investoren für den Osteiner Hof geworben werben. Insbesondere der Denkmalschutz des Gebäudes - so darf beispielsweise der natursteingepflasterte Innenhof nicht verändert werden - macht eine privatwirtschaftliche Nutzung kompliziert und die notwendigen Sanierungen teuer. 

Umso erfreuter zeigte sich Oberbürgermeister Ebling bei der Bekanntgabe des Verkaufs am vergangenen Donnerstag. Auch Claus Niebelschütz von der zuständigen BImA schien über das fristgerechte Finden eines Käufers erleichtert: „Wir sind sehr froh, schon vor der offiziellen Rückgabe des Osteiner Hofs durch die Bundeswehr einen Käufer für dieses ganz besondere Gebäude gefunden zu haben, den wir heute der Öffentlichkeit präsentieren können. Damit gelingt es uns, den Osteiner Hof warm zu übergeben und den Schlüssel von der Bundeswehr an den neuen Eigentümer durchzureichen“. Gerade die Reaktionen der Zuständigen zeigen, wie groß die Sorge um den Verbleib des, von einem langen Leerstand und einhergehendem Verfall bedrohten, Mainzer Fastnachtswahrzeichens, tatsächlich war.

Die Zukunft der Fastnachtscharta

Die Bekanntgabe der Auflösung des im Osteiner Hof ansässigen Wehrbereichskommandos II der Bundeswehr hat lange, insbesondere unter den Mitgliedern der Mainzer Fastnachtsgarden, einige Sorge verursacht. Alljährlich wird mit der Verlesung der Fastnachtscharta - der Grundgesetze der närrischen Zeit - vom Balkon des Osteiner Hofes aus, die fünfte Jahreszeit am 11.11. um 11:11 Uhr offiziell eröffnet. Nicht zuletzt aus Angst um diesen Brauch gab es sowohl innerhalb der Stadtverwaltung als auch unter der Mainzer Bevölkerung vielerorts große Vorbehalte gegen einen Verkauf an private Investoren. Doch scheinbar können diese Befürchtungen nun zerstreut werden: die närrische Nutzung des großen Balkons über dem Schillerplatz war Gegenstand der Verkaufsverhandlungen und konnte nach Aussagen von Claus Niebelschütz auch für die Zukunft sichergestellt werden. Das Konzept der Initiatoren des Kaufes sehe nicht nur vor, Wohnraum und Platz für tertiäres Gewerbe im Osteiner Hof zu schaffen, sondern auch den Denkmalschutz zu wahren und der kulturellen Bedeutung des Gebäudes Rechnung zu tragen. In der Sanierung des Gebäudes zu diesen Zwecken wird sich der Hauptinvestor in der „Osteiner Hof Entwicklungsgesellschaft mbH“, die Deutsche Wohn- und Anlagengesellschaft Wiesbaden mbH (DEUWA), jedoch einigen nicht zu letzt finanziellen Herausforderungen stellen müssen. Die gesamten IT-Leitungen in den mehr als 200 Räumen des Hofes liegen über Putz, die Elektrik und Heizungsanlage muss totalsaniert werden. Wie lange es dauern wird, bis der barocke Bau für den Einzug von Bewohnern und Geschäften hergerichtet sein wird, ist derzeit noch offen. Die Bauarbeiten sollen allerdings bereits zügig nach dem offiziellen Auszug der Bundeswehr und der Schlüsselübergabe - die in einem Festakt am 31. März geplant ist - im April dieses Jahres beginnen.

Redaktion: Sebastian Korb