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200 Jahre Hotel „Nassauer Hof“

Bild: nassauer-hof.de

Zylinder, Stuck an der Decke, teure Holzvertäfelung –Die Markenzeichen des 19. Jahrhunderts. So präsentierte sich der Nassauer Hof noch vor 200 Jahren. Heute zeichnet sich das internationale Luxushotel durch Wohlbefinden und Gemütlichkeit aus. Eine ereignisreiche und eindrucksvolle Geschichte aus der Kurstadt Wiesbaden.

Haben sie schon einmal genassauert? Die Redewendung ist nicht jedem bekannt und ob ein „Nassauer“ im Nassauer Hof überhaupt die Chance bekommt, seinem Ruf gerecht zu werden, ist ebenfalls fraglich. Hierbei handelt es sich um eine Person, die sich im Wirtshaus auf Kosten anderer gütlich tut. Mehrere Erklärungsansätze versuchen die Herkunft der Redewendung darzustellen. Eins haben sie alle gemeinsam – keiner von ihnen hat einen wahren oder gar seriösen Hintergrund. Jedoch besagt einer von ihnen, dass der Landgraf von Hessen allen Studenten Gastfreiheit gewährt haben solle. Sobald man sich am Schlossportal als „Nassauer“ auswies, bekam man diese unverzüglich gewährt und konnte jenes Recht natürlich auch missbrauchen. Dieser Missbrauch nannte sich in der Redewendung „nassauern“ und hat sich bis heute gehalten. Diese und andere historische Hintergründe bilden eine interessante Basis für eine Führung durch die Wiesbadener Stadt und selbstredend durch das Innere des „Nassauer Hofes“. Am Freitag, den 30. August hatte man die Möglichkeit, in die 200-jährige Geschichte des Nassauer Hofes einzutauchen und die High Society des 19. und 20. Jahrhunderts hautnah zu spüren. Sehen und Gesehen werden ist das Motto jener Tage in der Kurstadt Wiesbaden, die den europäischen Hoch- und Geldadel in Scharen anzog. Dieser lässt sich vorzugsweise im Nassauer Hof nieder und genoss schon damals die Einstellung des Hotels: „Ankommen und Wohlfühlen.“  Jedoch wurde diese Einstellung in den vergangenen Jahrhunderten etwas extravaganter und elitärer ausgeführt als heute. Nach Maßstäben der Gegenwart soll das Hotel dem Gast das Gefühl geben, zu Hause zu sein, ohne die Selbstdarstellung des Hotels in den Vordergrund zu rücken. Dezente Eleganz, Bescheidenheit und Schlichtheit markieren die Eckpunkte. Trotzdem ist der Luxus-Aspekt des Hotels, das mittlerweile zur Gruppe der Selektion Deutscher Luxushotels gehört, unverkennbar. Zudem ist es das erste Hotel Deutschlands, das im Jahre 2005 in die Klasse „Fünf Sterne Superior“ der deutschen Hotelklassifizierung aufgenommen wurde. Mit seinen insgesamt 135 Zimmern, 23 Suiten und als Krönung die Präsidentensuite, kann der Gast zwischen den Kategorien frei wählen und sich im eigenen Thermalbad außerdem eine Wellnessauszeit gönnen. Große Schritte in eine vielversprechende Zukunft, doch was passierte in den vergangenen Jahren oder besser gesagt Jahrhunderten? Das Hotel wurde im Jahr 1813 vom Gastwirt Johann Freinsheim ursprünglich unter dem Namen „Deutsches Haus“ eröffnet, dessen Name aber nach drei Jahren geändert wurde. Insgesamt wechselte das Hotel viermal seinen Besitzer, wobei es sich letztendlich seit 2001 in Besitz einer Investorengruppe befindet. Den zweiten Weltkrieg überstand es nicht – das Hotel brannte komplett aus und wurde 1950 wieder aufgebaut. Bis dahin bot es eine extravagante Absteige für viele prominente Persönlichkeiten. 1865 residierte der russische Schriftsteller Fjodor M. Dostojewski im Nassauer Hof und verspielte im Casino all sein Geld, was ihn dazu bewog den Roman „Der Spieler“ zu verfassen, der Wiesbaden als Roulettenburg darstellt. Außerdem waren unter anderem Paul von Hindenburg, John F. Kennedy, Richard Nixon, Audrey Hepburn, Dalai Lama und Vladimir Putin zu Gast. Wiesbaden kann sich in der Jahrhundertwende zudem auf die Fahne schreiben, die Stadt mit den meisten Millionären Deutschlands zu sein. Nach der Umgestaltung seines Stadtbildes an der oberen Wilhelmstraße, präsentiert sich das Hotel als Palast in edlem Mainsandstein und macht seinem Luxusstandart alle Ehre. Trotzdem soll durch die klaren Linien und die zeitgemäße architektonische Gestaltung die Intimität des Gastes bewahrt werden und mehr die Gemütlichkeit, als die Eitelkeit im Vordergrund stehen. Schließlich kann man in eine Portion Extravaganz eintauchen und eventuell den ein oder anderen „very british“ Tea im angrenzenden Café genießen, um sich voll und ganz auf den Flair des Hotels einlassen zu können.

Redaktion: Anne Haas