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Mainzer Designgespräche 2013

Bild: Lutz Sternstein

Globalisierung, Konsumgesellschaft, Gewinnmaximierung und rationales Handeln – das sind die Stichwörter, die das 21. Jahrhundert prägen und in dessen Richtung es sich weiterentwickelt. Umso wichtiger ist, vor allem die Nachhaltigkeit von Produkten und Dienstleistungen zu fördern und die gegenwärtige Konsumkultur in eine andere Richtung zu schieben. Diese Thematik wurde auf den diesjährigen Mainzer Designgesprächen ausführlich behandelt.

Zum 12. Mal findet das Fachsymposium „Mainzer Designgespräche“ am 26. September im Staatstheater Mainz statt, dessen Veranstalter das Designforum Rheinland-Pfalz „descom“ gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium ist. Zudem hat der Rat für Formgebung „German Design Council“ mitgewirkt. Jedes Jahr findet sich ein interdisziplinärer Teilnehmerkreis aus Designern, Wissenschaftlern, sowie Unternehmen aus unterschiedlichen Kontexten zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und neue Lösungsmuster für Problematiken zu kreieren. Eine besondere Widmung galt dieses Jahr dem Ausbau brancheninterner Netzwerkstrukturen, wobei sowohl ein Diskurs über Qualität gefördert werden soll, als auch die Leistung von Aufklärungsarbeit und die Sensibilisierung für die Wirkungsweise von Design und Qualität geschult werden. Seit 2002 beschäftigt sich die Veranstaltungsreihe mit relevanten Fragestellungen, wozu verschiedene Expertenansichten zur gegenwärtigen Konsumkultur eingeholt werden. Diese bewegt sich in eine erschreckende Richtung zu einer Gesellschaft hin, die maßlos im Überfluss lebt und das Produkt nicht mehr zu schätzen weiß. Das diesjährige Thema „Auf der Suche nach…dem Wert“ soll aufzeigen, welche globalen Folgen unser rücksichtsloser Umgang mit Ressourcen auslösen kann. Unter anderem spielt hier der Raubbau an der Natur eine immens große Rolle, wobei dies nur eine von vielen Tragödien ist. Das alte Modell des Wirtschaftswachstums beruft sich jedoch immer noch auf solche Vorgehensweisen und in der Öffentlichkeit steht weiterhin die Gewinnmaximierung des Herstellers im Vordergrund. Rohstoffe und Edelmetalle werden weiterhin unter menschenverachtenden Bedingungen abgebaut, damit unsere Konsumgesellschaft nicht auf neue Smartphones, Computer und andere mediale Kommunikationstools verzichten muss. Die Entwicklung und der Trend der heutigen Gesellschaft, zeigen nur ein geringfügiges Interesse an einer Veränderung der Konsumgewohnheiten. Doch welche Lösung bietet sich an, um das Problem in den Griff zu bekommen? Soll die Gesellschaft weniger konsumieren, oder gar mehr Nutzen und teilen, statt selbst Besitzen? Die Aussage der Mainzer Designgespräche dazu ist, dass die Gestalter maßgeblich dazu beitragen, verantwortungsvolles Handeln zu ermöglichen. Denn es sind die Transferleistungen, die die Unternehmen auf  Optimierungen hinweisen und Konsumenten neue Wege aufzeigen. Der Schubs in die richtige Richtung zum nachhaltigen Handeln, um den globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gewachsen zu sein. Es braucht nicht nur visionäre Designer, sondern auch vor allem kritische Käufer. Die Gestaltung der Zukunft ist nicht zuletzt auch eine Frage des Lebensstandards, wobei diese eher subjektiv zu betrachten ist. Hier geht es um Konsumbedürfnisse und den Umgang mit Produkten, was schon bei der Kaufentscheidung beginnt und bei der Nutzungsdauer endet. Schließlich muss sich der Konsument an die eigene Nase fassen, denn dort fängt die Umstellung bereits an. Die Frage nach dem eigenen sozialen und politischen Handeln, darf hier keineswegs außen vor gelassen werden. Das Design leistet dazu einen nicht zu verkennenden Beitrag, um die nachhaltige Entwicklung zu fördern. Zu diesem Thema formulierte Staatssekretär Uwe Hüser eine passende Aussage: „Es geht bei einem innovativen und zukunftsfähigen Design vor allem um Ressourcen-, Material- und Energieeffizienz und um einen wichtigen Beitrag zu intelligentem Wachstum im Sinne der Nachhaltigkeit. Design kann dazu beitragen, Materialkosten zu sparen, Produktionsprozesse zu optimieren und umwelt- sowie gesellschaftspolitische Ziele zu erreichen.“ Im Kleinen muss man beginnen, die Strukturen zu verändern. Rheinland-Pfalz soll zu einem innovativen, technologieorientieren und nachhaltigen Wirtschaftsstandort werden. Hierbei leistet das Produkt- und Kommunikationsdesign einen wichtigen Beitrag zur Darstellung von Produktqualität, Marktdifferenzierung und der ganzheitlichen Unternehmenskultur. Beeinflusst von den Faktoren wie Ergonomie, Funktionalität, Verarbeitungsqualität und Materialauswahl, beeinflusst das Design wiederum die Nutzbarkeit und Nachhaltigkeit von Produkten und Dienstleistungen. Der erste Schritt zu einer veränderten Konsumkultur beginnt bereits beim Design, das den Konsumenten mehr beeinflusst, als dieser selbst wahrnehmen kann.

Redaktion: Anne Haas