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Zwischen Industriekultur und Moderne – Neubeginn der Phönix-Halle auf über 4.700 Quadratmetern

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Durchhaltevermögen lohnt sich. Die Phönix-Halle, die Kultur-Instanz in Mainz- Mombach, wird in den nächsten Jahren für Aufwind in der Rhein-Main Region sorgen.

Ende letzten Jahres wurde die Idee, die Phönix-Halle am Leben zu halten, geboren. Doch es verging fast ein Jahr, bis es am 10 August 2015 endlich hieß: der Phönix fliegt, die Halle lebt. Dabei stand bis zuletzt ein dickes Fragezeichen hinter der Pressekonferenz und dem Ergebnis, das es zu verkünden galt. Nicht nur für die geladenen Pressevertreter. Auch die neue Betreibergesellschaft selbst wusste nicht, ob sie am Nachmittag des 10. eine positive Nachricht vermelden kann. Bis 12 Uhr tagte die letzte in der Finanzierung involvierte Bank – doch dann durfte ganz tief durchgeatmet werden.

Volle Kraft voraus in Sachen Sanierung – Brandschutzmaßnahmen im Mittelpunkt 

Die Alte Waggonfabrik wird also auch in den kommenden Jahren die zentrale Adresse für Kultur- und Musikevents bleiben. "Irgendwo am Horizont, der Zeit voraus, fängt die Zukunft an. Gestern ist Vergangenheit und zählt nicht mehr. Jetzt bist Du ein Mann" - sang Tom Astor schon vor zwanzig Jahren. Die Worte passen, denn keine Frage, die Verantwortlichen stehen vor einer Mammutaufgabe. 

Natürlich wollen die Betreiber jetzt möglichst zeitnah mit dem Neubeginn durchstarten. „Wenn alles reibungslos läuft, sehen wir die Feierlichkeiten anlässlich der Wiedereröffnung noch in diesem Jahr", so Geschäftsführer Ralph Heinrich. Wenn die Halle in der Vergangenheit vor allem für kulturelle Events stand, hat die neue Betreibergesellschaft Halle 6345 jetzt einen 360 Grad-Fokus. Neben Konzerten und Kulturevents, sollen künftig Corporate Events, Galaabende sowie Show- und auch Breitensport-Veranstaltungen den Buchungskalender bestmöglich auslasten. Damit dieses Modell voll zum Tragen kommt, muss die neue Betreibergesellschafft zwei Dinge schaffen: Sie muss für die Akzeptanz des neuen Konzepts unter den Mainzern und in der Region sorgen. Und dafür, dass diese in ihrer Art beispiellos charmante Industriehalle auch über die regionalen Grenzen hinaus bekannt wird, respektive noch bekannter wird. Konkurrierende Hallen gibt es schließlich nicht wenige – von der Jahrhunderthalle Frankfurt, der irgendwann wiedereröffnenden Rhein-Main Halle und den Mainzer Veranstaltungshallen, ob die bekannten Platzhalter wie die Alte Lokhalle oder neuen Locations, die sich in Hechtsheim auftun. 

Was jedoch keine der genannten Alternativen bietet: dieses unglaubliche Gefühl von Raum, wenn man die Halle betritt. Seit der Entkernung ist die nach dem zweiten Weltkrieg wieder aufgebaute Halle zu neuem Leben erwacht – fast so, als würde sie endlich wieder tief einatmen können. Der alte Industriecharme ist zurück und bietet einen völlig neuen Blick auf die unverbaute Schönheit der Halle. Die Sanierungsphase ist längst eingeläutet. Aktuell wird im Inneren der Halle gearbeitet, die Stahlträger und die Wände werden Instand gesetzt, ein neuer Estrich verlegt. Es folgt die Restaurierung der Frontfassade, die einen zentralen Haupteingang ermöglicht und die Fensterfront im unteren Gemäuer optisch wieder aufnimmt. Die wichtigsten Baumaßnahmen betreffen jedoch den Brandschutz und die Sicherheit. „Wir legen größten Wert auf die Sicherheit in der Halle und investieren ohne Wenn und Aber einen Großteil unseres Budgets in diese Maßnahmen. Neben einer Sprinkleranlage, die im Brandfall die gesamte Hallenfläche abdeckt, statt wie eigentlich ausreichend, nur die Stahlträger besprenkelt, werden auch im Hinblick auf die Fluchtwege massive Umbauten nötig sein. Wir tragen eine Verantwortung für bis zu 5.000 Besucher, weshalb diese Maßnahme von Anfang an höchste Priorität hatte“, erklärt Geschäftsführer Dr. Hanns-Christian von Stockhausen, dessen Aufgabenfeld künftig besonders im Bereich Financing & Controlling gefragt ist. 

Ein erster Ausblick, was da kommen mag

Fast 5.000 Quadratmeter auf einer einzigen Ebene, 13 Meter Deckenhöhe im Giebel das ist die Ausgangslage, die das alte Ziegelmauerwerk bietet. Grundwerte die zeigen, dass die Nutzungsmöglichkeit der Halle kaum Grenzen aufweist. Die durch die Spanplattenwände erzeugte ehemalige Dreiteilung ist kein Thema mehr, mit der Wiedereröffnung werden sich die neuen Dimensionen zeigen: Dank der alten, erhalten gebliebenen Kranbahnen, wird die Multifunktionalität der Halle möglich. So kann das Foyer eventspezifisch ganz einfach verschoben werden und eine Mittelbühne, beispielsweise für einen Boxkampf, entstehen. Bei Messen finden auf der reinen Grundfläche bis zu 150 Aussteller Platz. „Wir stehen momentan in zahlreichen Gesprächen mit Konzertagenturen. Gleich nach der Bekanntgabe des Neustarts haben uns viele Firmen und Institutionen angerufen, um die Halle für Events zu buchen. Das freut uns sehr und deswegen wollen wir so schnell wie möglich, wenn möglich noch im Dezember, wiedereröffnen“, erklärt Geschäftsführer Ralph Heinrich, der durch seinen beruflichen Werdegang über wertvolle Kontakte in die Konzert- und Eventbranche verfügt. Eine wichtige Rolle wird außerdem die Zusammenarbeit mit mainzplus CITYMARKETING spielen, die schon in den letzten Monaten den neuen Betreibern beratend zur Seite standen. Erste Gespräche über mögliche Kooperationen haben bereits stattgefunden. 

Noch vor der Eröffnung werden neue Sanitäranlagen installiert und für 5.000 Menschen wollen außerdem ausreichend neue Parkplätze geschaffen werden. Zusammengefasst bedeutet das, die schönste Mainzer Industriehalle wird sowohl technisch als auch optisch den höchsten Standards entsprechen – das Investitionsvolumen liegt bei über zwei Millionen Euro. In einem zweiten Umbauschritt werden dann auf ca. 800 Quadratmetern Konferenzräume für Tagungen und Kongresse ausgebaut. 

Dynamik und Stärke werden in den nächsten Jahren zu beweisen sein. Was aber ohne Zweifel fest steht: Mainz und die Region Rheinhessen sind um eine kulturelle Attraktion reicher, und diese wird zudem auch wirtschaftlich von großem Interesse sein. Nicht zuletzt weil dieses fantastische Areal der Alten Waggonfabrik enormes Potenzial für die Zukunft aufweist.

Bilder: BEOS AG 
Text: Ilka Wassmann