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„Rheinhessen – eine wunderschöne, alte Kulturlandschaft“

Er studierte in Marburg und Tokio und arbeitete als Journalist für das ZDF – natürlich vornehmlich in Fernost. Zunächst veröffentlichte er Sachbücher, später Romane unter seinem Pseudonym Raymond A. Scofield. Nun schrieb er eine Fortsetzung des Weihnachtsklassikers „Der kleine Lord“. Im Interview mit der Wirtschafts-News spricht der Autor und Journalist über seine Heimat Rheinhessen und über seinen Roman, der, wie könnte es anders sein, „der große Lord“ heißt.

Wirtschafts-News: Raymond Scofield oder Gert Anhalt? Wie spricht man Sie denn nun an? 

Raymond Scofield: Das ist egal. Namen sind eigentlich unwichtig. Wichtig ist nur die Geschichte vom kleinen und vom großen Lord. 

Wirtschafts-News: Schauen Sie sich eigentlich auch immer in der Adventszeit die Wiederholung im Fernsehen an? 

Raymond Scofield: Selbstverständlich. Das gehört einfach dazu. Und jedes Mal kommen auch mir wieder die Tränen wenn der kleine Cedric das Herz seines bösen Großvaters erweichen kann. Man muss aber auch sagen, dass dies ein großartiges Stück Fernsehen ist. Toll besetzt mit Alec Guiness als Earl von Dorincourt. Und ganz nah übrigens an der Romanvorlage. 

Wirtschafts-News: Und beim Ansehen kam Ihnen die Idee mit der Fortsetzung? 

Raymond Scofield: Genau. Ich fragte mich: was wird wohl aus einem Kind, das so unverbesserlich blauäugig und kompromisslos gut ist. Was geschieht, wenn der einfache Junge aus New York plötzlich reich wird und mächtig? Verdirbt das seinen Charakter oder bleibt er sich treu? Wird er ein zynischer Playboy, ein fieser Snob? Oder nutzten falsche Freunde und Schmeichler seine Güte aus und bringen ihn um sein Vermögen? Und als dann schließlich die Neugierde zu groß wurde, habe ich mich eines Tages einfach hingesetzt und die Geschichte weiter geschrieben. 

Wirtschafts-News: Hatten Sie denn gar keine Skrupel? 

Raymond Scofield: Doch. Vor allem gleich im ersten Kapitel. Da muss, damit die Geschichte ihren Lauf nehme kann, der betagte Graf leider auf sportliche Art aus dem Leben scheiden. Und sein langjähriger Sachwalter Mr. Havisham entpuppt sich in meiner Fortsetzung als Schurke. Das tat mir persönlich sehr leid, aber es ließ sich nicht ändern. 

Wirtschafts-News: Warum rührt uns eigentlich die Geschichte vom kleinen Lord Fauntleroy so sehr? 

Raymond Scofield: Ich glaube, diese Geschichte erfüllt auf wundersame Weise unsere tief sitzende Sehnsucht nach einer heilen Welt, die wir gerade an Weihnachten so schmerzlich vermissen. Ganz besonders in diesen besinnlichen Tagen suchen wir alle Wärme und Liebe, Versöhnung und Verzeihen. Und wer wünscht sich nicht dankbare und brave Kinder? 

Wirtschafts-News: Sie leben mit Ihrer Frau in einem kleinen Dorf in Rheinhessen…

Raymond Scofield:.. und zwar sehr gerne!

Wirtschafts-News: Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, ihre Heimat zum Schauplatz eines Krimis zu machen? 

Raymond Scofield: Rheinhessen ist eine wunderschöne, alte Kulturlandschaft, die auch manche Geheimnisse, sicherlich auch finstere, birgt. Aber es gibt schon so viele begabte Autoren, die sich diesem Landstrich widmen, dass ich mich auf absehbare Zeit lieber auf anderen Feldern tummeln werde. 

Wirtschafts-News: Und zum nächsten Weihnachtsfest…? 

Raymond Scofield: Habe ich schon eine Geschichte in Vorbereitung. Die spielt wieder in London, in dunkler Zeit. Aber mit einem großen, hellen Hoffnungsschimmer…

Über den Autor:

Gert Anhalt ist Journalist und Autor von Sachbüchern und Kriminalromanan. Nach dem Abitur studierte er in Marburg und Tokio Japanologie. Auf ein Volontariat folgte die Stelle als Redakteur der Hauptstadtredaktion von „Aktuelles“ und schließlich als Reporter für das „heute-journal“. Zu Anfang der 90er Jahre begann er, im Fernen Osten zu arbeiten, zunächst als Leiter des ZDF-Studios in Peking, anschließend als Reporter im Reporterpool. Nach der Jahrtausendwende ging er zurück nach Tokio, wo der das ZDF-Studio leitete. Darüber hinaus erschienen im ZDF mehrere von ihm produzierte Reportagen, darunter die zweiteilige Reportage „Indien“, sowie die im Jahr 2009 veröffentlichte Doku-Serie „Chinas Schätze“. Seine Sachbücher beschäftigen sich zumeist mit dem Thema Fernost und seit 1996 veröffentlicht er zudem Romane unter dem Pseudonym Raymond A. Scofield.