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Quo vadis, Konekt – ein Gespräch mit Hanns-Christian von Stockhausen

Wann immer HC bei mir zu Besuch ist, haben wir viele Themen. Üblicherweise werden die Abende lang. Nicht selten reden wir mehr, als wir denken, essen mehr, als wir hungrig sind und – Sie ahnen es – trinken mehr, als wir durstig sind. Das Spektrum ist groß. Mainzer Gossip und ein bisschen Fußball als Warmup (warum steht Ilka eigentlich auf die bekloppten Bayern?), gefolgt von ollen Kamellen vergangener Tage, zwischendrin ein bisschen Bibelturm und Oberbürgermeister. Das Übliche. Heute indes will HC über seine Veranstaltungsreihe reden. Anders als sonst, befürchte ich nun, dass ich ihm zuhören sollte. Konekt heißt das Format, das wächst und wächst, aber dennoch nicht ganz weiß, was es ist und was es werden soll. Die Klammer ist beträchtlich. Was im Sommer 2017 mit einem erweiterten After-Work-Gedanken begann, entwickelte sich zu einer Netzwerkveranstaltung mit mehreren Standorten. Begriffe wie regional und überregional, digital und analog schwingen da mit. Bekommen wir das in zwei Sätzen hin, fragt HC. Puh! Na gut, lass mal nachdenken. Es gibt Käse, Brot und Bier.

HC ist der sozialverträgliche Spitzname von Hanns-Christian von Stockhausen, Dr. jur., dem Betreiber der Halle45 und Initiator der Konekt. Mutig, Alter, dachte ich, da ich in den vergangenen Jahren selbst auf vielen Messen gewesen bin. Sowohl als Aussteller, als auch als Besucher. Die Zeit, das weiß jeder, ist im Wandel. Digitalisierung heißt das Schlagwort, das wie ein Damoklesschwert über nahezu jeder Branche, dem Arbeits- und Lebensbereich zu schweben scheint. Kaum ein Historiker, Ökonom, Soziologe oder Philosoph, der nicht von der digitalen Revolution spricht. Meine Bedenken konnte HC längst zerstreuen. Die ersten Konekt-Veranstaltungen waren nicht nur viel beachtet, sondern zudem wirtschaftlich erfolgreich. Doch wohin geht die Reise? Wird es künftig noch Face-to-Face-Messen geben? Wie tiefgreifend sind die Umwälzungen der Digitalisierung? 


Während ich an meinem Schreibtisch sitze, läuft HC Runden in meinem Wohnzimmer und überlegt, wie man die Konekt wohl am ehesten in zwei Sätzen formulieren könnte. Und natürlich, was an dieser Veranstaltung anders ist, als an anderen dieser Art. Mit Ilka, erzählte er mir, streite er regelmäßig sehr robust darüber. Kann ich mir bestens vorstellen, ich kenne Ilka gut. Wassmann heißt sie mit Nachnamen und ist Stützpfeiler, auch Macherin, Gedankenspiegel und Menschenkompass der ersten Stunde von beidem, der Halle45 und der Konekt. Der Diskurs ist einfach: Individualisieren sagt Ilka, Standardisieren sagt HC. Das an sich erscheint wenig verwunderlich. Doch die Schnittmenge zu finden, ist nicht immer leicht.

Wo ist die Trennlinie?

Schon gar nicht im Fall der Konekt. Denn die Überlegung, ob die Konekt nun ein Kind der Digitalisierung oder doch der analogen Welt ist, führt nicht unmittelbar zu einer Erkenntnis. Analog sei sie, sagt HC, mit Verweis auf den Markenkern. Menschen sollen sich dort treffen und miteinander reden, unterstreicht er. Laut und deutlich höre ich ihn, doch ohne Digitalstrategie, denke ich, kommt die Konekt nicht aus. Sicher scheint, dass die Trennlinie an anderer Stelle verläuft. Um sie zu finden, muss man den Blick auf die Ränder beider Seiten richten. Dorthin, wo Unternehmen nicht mehr fortexistieren oder ihren Erfolg dem Strukturwandel zu verdanken haben. 

Eindeutige Antworten haben Branchen, deren Geschäftsmodel längst am Erodieren ist. Zeitungsmacher, Fernsehleute, Medien insgesamt. Oder andersrum jene, die es ohne Digitalisierung nicht gegeben hätte. Da möge man mal Herrn Bezos von Amazon fragen, ob er heute noch ein Kaufhaus in die Ludwigsstraße bauen würde. Man stelle sich vor, Marc Zuckerberg würde jeden Tag an die 2,4 Milliarden Karten postalisch versenden mit Essensbildchen, Bekanntschaftsanfragen und Geburtstagsgrüßen. Oder, krasser noch, Google würde in jedem Land unzählige Bibliotheken erschaffen, wo jeder hinkäme, um was auch immer zu erfragen. Übrigens eine witzige Vorstellung, fällt mir gerade auf. Denn während der Suchanfrage vor Ort müsste ein Mitarbeiter unablässig Werbebotschaften vortragen. Die Sache ist klar: bei der Digitalisierung geht es vor allen Dingen um Verbreitung. Diesem Prozess wohnt ein wuchtiger Hebel inne. Schwächen treten dann zu Tage, wenn Leistungen komplex werden, Vertrags- und Leistungsvolumen größer werden und vor allen Dingen, wenn Menschen zusammenarbeiten müssen oder wollen. Nicht jeder kann mit jedem. Irgendwo inmitten dieser Gemengelage verläuft eine Trennlinie. Dies gilt insbesondere für die Konekt.

Digitale Verlängerung

Tatsächlich ist die Konekt in den vergangenen Jahren nicht nur standortmäßig gewachsen, sondern auch – oder vor allen Dingen – gedanklich. Was noch im Sommer 2017 als erweiterte After-Work-Party begann, entwickelte sich zur veritablen Netzwerkmesse, die sich ihren Weg sucht zwischen Lokalkolorit mit regionalen Ausstellern und Partnern einerseits und zeitgemäßer Digitalkonzepthaftigkeit andererseits. Jüngstes Kind etwa ist die Konekt Südwestfalen in Siegen. Der Grundgedanke ist geblieben. Einheitliche Standflächen sollen dafür sorgen, dass auch kleinere Unternehmen mit weniger Budget nicht untergehen und sichtbar bleiben. Hinzu kommt ein Vertrauenspreis. Jeder Aussteller kann unter drei Optionen wählen, welchen Preis er zahlen will. Ebenfalls von Beginn an Teil der Kampagne, ist die Einbindung von Social-Media-Kanälen. Neu hinzugekommen hingegen ist die Jobbörse, die sich aus dem Suche-Biete-Format, einer Art schwarzem Brett, entwickelt hat. Digitale Verlängerung findet die Jobbörse im Fall der Konekt in Siegen durch den Kooperationspartner „Karriereportal-Südwestfalen“, jener Hebel, der zu Reichweite und Relevanz verhilft. Dieser Teilaspekt der Messe beantwortet gleichsam die Frage, welches Interesse die Aussteller verfolgen. Während es bei einer klassischen Messe für die Aussteller vor allen Dingen darum geht, ihre Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen, seien bei der Konekt viele auch auf der Suche nach Zulieferern, Kooperationspartnern und eben Mitarbeitern, erklärte mir HC.

Der große Trichter

Konekt Südwestfalen in Siegen, Konekt Rhein-Main in Mainz, werden Sie sich womöglich fragen. Nun, es sind nicht die einzigen. Bereits einmal stattgefunden hat die Konekt Westpfalz in Kaiserslautern und noch im November kommt die Konekt Rhein-Main-Neckar in Darmstadt hinzu. Das Prinzip ist überall das gleiche. Es geht darum, regionale Anbieter miteinander zu verbinden. Und wie im Siegerland, der Pfalz und in Mainz wird wieder viel Lokalkolorit sichtbar sein. Dass die Menschen dieselbe Sprache sprechen, so scheint mir, ist wichtig für den analogen Teil der Messe, die Begegnungen. Jemand, der mit seinem Computer redet, hat arge Probleme. Gleichwohl, so verstehe ich HCs Gedanke, sei eine Verbindung zwischen den Regionen wichtig. Ein Überbau in Form eines Portals, das alle Standorte miteinander verbindet und einen kontinuierlichen Austausch untereinander ermöglicht. Will man es technisch ausdrücken, fallen Begriffe wie Suchmaschinenoptimierung oder Googleranking. Stimmt auch alles. Sie sind die technische Erfüllung des Anspruchs an die Digitalisierung. Ein wirkmächtiges Mittel, unverletzlich, berechenbar und unanfällig, doch ohne jedwede Entscheidungsmöglichkeit, Kreativität und Empathie, dient es einem Zweck. Die Face-to-Face-Begegnung zu ermöglichen. Sie ist der große Trichter, die Standardisierung, die der Individualisierung Raum verschafft.

Die 17. Runde und Kurt Cobain

HC ist gerade auf seiner 17. Runde durch mein Wohnzimmer, als ich über die Halle45 nachdenke. Ich mache mir etwas Sorgen, er sieht müde aus, der Tag war lang. Andererseits ist er gut beisammen, Käse und Brot gibt´s auch noch. Vor ein paar Jahren hatten wir uns kennengelernt. Mit Ilka zusammen waren wir bei einem kleinen Italiener in Mainz. Damals fingen sie gerade erst an mit ihrer Halle. Ich erinnere mich, wie Ilka und HC mir vom Halle-Slogan erzählten. „The worst crime is faking it“, schwebte seinerzeit wie ein Credo über dem alten Industriegemäuer. Einer der letzten Gedanken von Kurt Cobain, der begann, an seiner Glaubwürdigkeit zu zweifeln. Wie stark der Leidensdruck des Ausnahmetalents gewesen war, zeigt sich an dessen Schicksal.


Auch wenn die Geschichte tragisch endete, haben sie sich den Spruch in deren Mombacher Büro beibehalten. Vielleicht mit einer kleinen Analogie. Der Geist der Konekt, erklärt mir HC, bliebe immer der Grundgedanke. Eine Mensch-zu-Mensch-Begegnung, deren Qualität von der Substanz des Gesagten und Gedachten lebt. Es mag erschrecken, dass es dabei kaum Korrekturmöglichkeiten gibt. Andererseits, denke ich gerade, ist es vermutlich sehr viel tröstlicher – und ermutigender –, weil die meisten Fehler, Ausrutscher, Patzer oder gar ausgewachsenen Fehltritte als solche wahrgenommen werden. Das schafft Verbindlichkeit und, so absurd es klingen mag, Sympathie.


Die Zeit ist ein übler Geselle, der träge Gedanke ebenso. Besonders, wenn sie gewissermaßen gegenläufig sind. Das eine ist zu kurz, das andere zu lang. Mancher Gedanke passt schlichtweg nicht in zwei Sätze. Und selbst, wenn man ihn noch so tief durchdrungen hat, betrachtet von allen Seiten, hoch und runter, vor und zurück, kommt man dennoch zu keiner Lösung. Wie auch? Blickt man auf die industrielle Revolution vor rund 200 Jahren, wird deutlich, wie lange es gedauert hat, bis sich die Gesellschaft neu sortiert hat. Mit nichts anderem als damit, wird der Strukturwandel unserer Zeit verglichen. Vermessen zu glauben, man könne all dies schnell und einfach verstehen. Schon gar formulieren. Warum steht Ilka eigentlich auf die blöden Bayern, HC?


Schon spät. Komm wir machen Schluss.


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