. .

„Mainzer Bürger werden zu Markenbotschafter der Stadt“

August Moderer, Mainzplus Citymarketing

Seit 22 Jahren leitet August Moderer die Mainzplus Citymarketing, ehemals die Congress Centrum Mainz GmbH. Mit dem Ziel, Menschen nach Mainz zu bringen, engagiert sich Moderer seither erfolgreich in den Bereichen Kongress, Tourismus und Kultur für die Stadt. Zuvor war der gebürtige Österreicher 15 Jahre lang für die internationale Hotelkette Hilton International mit Stationen in Asien, Afrika und Europa tätig. Er ist in Mainz angekommen, erst kürzlich beschrieb Moderer sein persönliches #mainzgefühl. Im Interview mit der Wirtschafts-News erzählt er über seine Pläne in den nächsten Jahren, die Neueröffnung des KUZ und welche Ecken der Stadt seine liebsten sind.

Wirtschafts-News: Wie beliebt ist Mainz als Städteziel für Besucher aus aller Welt? Was hat es mit dem „Modell zur freiwilligen Tourismusfinanzierung“ auf sich?

August Moderer: Mainz ist eine wunderbare Stadt und es macht zusammen mit meinem Team von mainzplus CITYMARKETING riesigen Spaß, dieses tolle Produkt zu vermarkten. Mainz ist nicht nur Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz, sondern liegt auch sehr günstig in der Metropolregion Rhein-Main in der Nähe des international bedeutsamen Flughafens Frankfurt am Main. Die Infrastruktur und Erreichbarkeit unserer Stadt ist sehr gut. Auch als eine der drei ältesten Städte in Deutschland hat Mainz viel Geschichte und Kultur. Wir haben eine sehr gute und internationale Hotelinfrastruktur mit Hilton Hotels, Hyatt Regency und anderen etablierten Hotelketten. Wir haben auch eine sehr gute private Hotellerie hier in unserer Stadt. All dies sind Faktoren, die uns helfen, viele Besucher hier nach Mainz zu bekommen. Seit Jahren ist es uns auch – zusammen mit den Mainzer Hotels – gelungen, speziell die Auslastung an den Wochenenden zu steigern. Wir sind mittlerweile eine der führenden Städte im Bereich des Städtetourismus geworden – weit über Rheinland-Pfalz hinaus. Es gibt viel zu sehen in unserer schönen Stadt und das macht Mainz auch interessant für Kurztrip-Urlauber. Wir haben „Mainzer Bürger werden zu Markenbotschafter der Stadt“ im vergangenen Jahr den Tourismusfonds Mainz e.V. gegründet. Hier haben wir zusätzliche Budgets mit den Leistungsträgern der Stadt generiert, die zusätzliche Marketingmaßnahmen ermöglichen. Tourismus kann man nicht alleine machen – es müssen alle, die davon profitieren – die Hotels, die Gastronomie, der Einzelhandel u.v.m. – gemeinsam an einem Strang ziehen. Dies ist uns auch gelungen. Die Stadt Mainz hat hier den Mitgliedern des Tourismusfonds Mainz e.V. angeboten, jeden Euro, den sie einzahlen, zu verdoppeln. Wir haben mittlerweile mehrere Projekte erfolgreich umgesetzt. Unter anderem haben wir eine sehr attraktive und funktionale Mainz-App entwickelt und in diesem Jahr haben wir zusammen mit den Mitgliedern des Tourismusfonds die Binnenmarketingkampagne #mainzgefühl entwickelt, die – unter Einbindung der Mainzer Bevölkerung – die „Marke Mainz“ fühlbar und erlebbar macht. Der Tourismusfonds Mainz ist ein gutes Beispiel für unser Credo „Gemeinsam sind wir stark“ – und dies haben mittlerweile auch alle verstanden. 

Wirtschafts-News: Wie hat sich unsere Stadt als Ort für Messen etabliert? Welche Zahlen haben Sie hier für uns und was steht in nächster Zeit an?

August Moderer: Wir sind schon seit Jahrzehnten eine der führenden Kongressstädte in Deutschland und Europa. Hier hilft uns auch der Universitätsstandort Mainz. Speziell im Bereich der medizinischen und wissenschaftlichen Kongresse sind wir ein gefragter Standort. Zum einen ist Mainz durch den Frankfurter Flughafen sehr gut zu erreichen und zum anderen bieten wir für die Größenordnung unserer Stadt eine sehr gute internationale Hotelinfrastruktur, welche bei internationalen Kongressen unbedingt notwendig ist. Wir haben ständig in den Ausbau unserer Veranstaltungszentren investiert. Vor Jahren haben wir die Rheingoldhalle mit dem Gutenbergsaal erweitert. Diese Maßnahme hat uns in eine neue Liga des Kongressgeschäftes manövriert, in der wir uns schon lange etabliert haben. Auch investieren wir zusammen mit der Stadt Mainz weiterhin in unsere Kongress-Infrastruktur. Nur so kann man auf dem stark umkämpften internationalen Kongressmarkt überleben. Auch im Bereich der Messen und Ausstellungen konnten wir in den letzten Jahren einige groß Veranstaltungen hinzugewinnen. Zusammen mit der IHK für Rheinhessen haben wir die Berufsinformationsmesse Rheinhessen zu einem Publikumsmagneten hier in der Region weiterentwickelt. Auch im nächsten Jahr haben wir schon gut gefüllte Auftragsbücher mit nationalen und internationalen Veranstaltungen aller Art.

Wirtschafts-News: Welche Veranstaltungen locken die meisten Besucher an? Welche Events wird es 2019 geben?

August Moderer: Seit drei Jahren veranstalten wir sehr erfolgreich die Mainzer Sommerlichter am Rheinufer. Mehrere Hunderttausend Besucher sind von diesem Event fasziniert. Der Höhepunkt ist immer der Samstag mit einem musiksynchronen Höhengroßfeuerwerk über dem Rhein. Mittlerweile haben wir mehr als 15 Schiffe, die für ihre Gäste am Samstagabend ein spezielles Menü mit Programm anbieten. Alle Hotels in der Stadt sind an diesem letzten Juliwochenende sehr gut gebucht. Auch hier haben wir für die heimische Tourismuswirtschaft und den Einzelhandel einen Event geschaffen, der Menschen nach Mainz bringt. Dies ist eine der wichtigsten Aufgaben von mainzplus CITYMARKETING. Eine weitere Erfolgsgeschichte ist unsere Konzertreihe „Summer in the City“. Auch hier bringen wir tausende Besucher in unsere schöne Stadt. Wir haben uns hier in den letzten Jahren als Konzertstadt in Deutschland etabliert. Stars wie Sting, Elton John, Santana und viele andere mehr sind hier bei unseren Open Air-Events schon Gast gewesen in der Domstadt. Auch hier beleben wir durch volle Hotels und viele Besucher die Stadt und bedienen somit die gesamte Wertschöpfungskette. Eine weitere sehr erfolgreiche Veranstaltung ist der Mainzer Weinmarkt, welcher ebenfalls jedes Jahr mehr als 350.000 Besucher lockt. Als Great Wine Capital und deutsche Weinhauptstadt fühlen sich die Gäste auf unserem Weinmarkt sehr wohl. Auch in den nächsten Jahren werden wir diese Veranstaltungen professionell weiterentwickeln.

Wirtschafts-News: Projekt Rheingoldhalle: Erzählen Sie uns etwas zur Sanierung und dem Zeitplan

August Moderer: Ab Ende des Jahres wird der alte Bereich der Rheingoldhalle saniert. Wir erhalten eine komplett neue Haustechnik und moderne Sicherheits- und Brandschutzvorkehrungen. Auch wird die Sanierung nach energetischen Gesichtspunkten durchgeführt und umgesetzt. Wir sind sehr froh darüber, dass uns die Stadt in diesen Projekten unterstützt und uns hilft, die so wichtige Infrastruktur für große Kongresse und Events auszubauen. Der ältere Teil der Rheingoldhalle wird somit für ein Jahr geschlossen sein. Der vordere Bereich mit dem neu gestalteten Gutenbergsaal kann aber weiter bespielt werden. Der untere Bereich mit dem ehemaligen Spielcasino und den kleineren Veranstaltungsräumen wird dann ab Ende nächsten Jahres komplett saniert und größer ausgebaut. Mit diesem Produkt sind wir dann wieder international wettbewerbsfähig und können diesen Bereich und das für uns wichtige Geschäftsfeld weiter ausbauen.

Wirtschafts-News: Die Initiative #mainzgefühl – bitte erläutern Sie uns diese..

August Moderer: Die Kampagne #mainzgefühl wurde vom Tourismusfonds Mainz e.V. angestoßen und hat zum Ziel, das authentische „Mainzer Lebensgefühl“ zu identifizieren. Und wer könnte dies besser beschreiben als die Mainzer Bevölkerung. Die Mainzer Bürgerinnen und Bürger wurden über einen Zeitraum von mehreren Wochen aufgerufen, ihr persönliches „Mainz- Gefühl“ zu beschreiben – und dies mit Texten, Bildern, Videobotschaften, spielerisch in Workshops und mittels einer breit angelegten Online-Umfrage. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Letztlich werden die Mainzer Bürger einmal mehr zu den Markenbotschaftern der Stadt – und schaffen ein authentisches Bild unserer schönen Stadt. Wir glauben, dass dies der richtige Schritt ist, die stolze und prägende Identität der Mainzer noch einmal klarer herauszustellen und perspektivisch das „Wir-Gefühl“ innerhalb der Mainzer Bevölkerung noch einmal zu stärken. Wir sind sehr gespannt auf die Ergebnisse, die dieses Jahr noch ausgewertet und der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Wirtschafts-News: Das KUZ kommt zurück - was erwartet uns? Was ist anders als früher, was ist gleichgeblieben?

August Moderer: Ende dieses Jahres werden wir das KUZ wiedereröffnen. Nach über eineinhalb Jahren Umbau wird diese für Mainz sehr wichtige Kulturlocation wieder im neuen Glanz erscheinen. Wir werden an die alten, glorreichen KUZ-Zeiten anknüpfen und hier Kultur geballt für alle Mainzerinnen und Mainzer, aber auch für alle Besucher aus Deutschland und der Welt anbieten. Der Schwerpunkt wird natürlich das Kulturprogramm sein. Aber um dieses finanzieren zu können, werden wir auch Corporate Events im KUZ unterbringen und selbst Events anbieten. Wir freuen uns schon auf unser „neues Baby“. Die Mannschaft des neuen KUZ ist hoch motiviert und freut sich schon auf die Eröffnung.

Wirtschafts-News: Welche sind die wichtigsten Ziele, die Sie sich für die nächsten Jahre auf die Agenda gesetzt haben?

August Moderer: mainzplus CITYMARKETING ist in Deutschland ein einzigartiges Konstrukt. Wir haben die Bereiche Kongresse, Tagungen, Events, Kultur, Tourismus, Stadtmarketing und zuletzt auch das Citymanagement sehr erfolgreich zusammengeführt. Davon profitiert die gesamte Wirtschaft der Stadt. Mein Ziel ist es, zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen dieses zarte Pflänzchen weiter erfolgreich auszubauen. Unser zentrales Credo lautet „Wir bringen Menschen nach Mainz“. Dies werden wir in den nächsten Jahren professionell verfolgen und weiter ausbauen.

Wirtschafts-News: Sie sind gebürtiger Österreicher – wie lebt es sich in Mainz und welches ist Ihr persönliches #mainzgefühl?

August Moderer: Ich bin in Graz, einer der schönsten Städte Österreichs geboren und aufgewachsen. Mittlerweile lebe ich seit mehr als 20 Jahren in Mainz und ich muss sagen: Ich liebe diese Stadt und ihre Menschen. Mainz ist für mich meine neue Heimat geworden und ich fühle mich hier angekommen.

Wirtschafts-News: Welche Stationen haben Sie beruflich bisher durchlaufen?

August Moderer: Ich habe 14 Jahre für den Hotelkonzern Hilton gearbeitet, sozusagen vom Tellerwäscher zum Generaldirektor mit Stationen Wien, München, Abuja/Nigeria, Jakarta/Indonesien, Dresden und zuletzt war ich als Direktor des Hilton Mainz City tätig.

Wirtschafts-News: Welcher ist Ihr persönlicher Lieblingsplatz in Mainz?

August Moderer: Das Rheinufer. Für mich hat dies als Süd- und Alpenländler die höchste Anziehungskraft. Im Sommer fühlt man sich hier wie in der Südsee.

Haben Sie vielen Dank für das Interview.

Über die Autorin:

Alexandra Rohde ist freie Redakteurin und Autorin. Nach dem Studium der Publizistik, Soziologie und Pädagogik an der Johannes Gutenberg-Universität, absolvierte sie das Volontariat zur Pressereferentin. Ihren beruflichen Einstieg hatte sie bei der Mainzer Allgemeinen-Zeitung als freie Mitarbeiterin. Heute schreibt sie für unterschiedliche Zeitungen im Rhein-Main-Gebiet. Als Pressereferentin war sie weiterhin im Bereich der internen sowie externen Kommunikation tätig. Geboren 1982 in Mainz, studierte sie für ein Jahr im schweizerischen Basel und lebte für eine Weiterbildung im Bereich Aufnahmeleitung TV in München und Köln. Sie wohnt bei Mainz, in ihrer Freizeit reist sie leidenschaftlich gerne und hat ein Faible für Musik, Yoga und Tanz.

Bild: Mainzplus Citymarketing