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5000 geschichtsträchtige Quadratmeter

Walhalla Theater, Wiesbaden

Das Walhalla-Studio am Wiesbadener Mauritiusplatz gilt seit vielen Jahren als Ort für Live Performance, Jazz und Blues. Auf der Bühne sind die verschiedensten modernen Kunstformen im Bereich Tanz, Theater, Medien, Musik und Kunst zu sehen, denn genau dafür steht Walhalla: dem Zuschauer eine neue Sicht auf die Dinge zu ermöglichen. Es verfügt über einen stuckverzierten Theatersaal mit Galerie und im Untergeschoss über ein kleines Kino, das Bambi. Im Zuge der Revitalisierung des Walhalla-Theaters wurde 1997 der Verein zur Förderung der zeitgenössischen Theaterkunst im Walhalla (Walhalla e.V.) und 1998 die Walhalla-Theater-Produktion (WTP) ins Leben gerufen.

Bei seiner Gründung galt das Walhalla als eine Alternative zum klassischen Staatstheater, „wer in die Oper gehen wollte, besuchte das Staatstheater, wer die Operette bevorzugte, ging ins Walhalla“, sagt der Wiesbadener Designer Michael Müller. „Im Keller gab es den Clubraum des Wiesbadener Fechtclubs, Restaurants, einen Ballsaal. Die Nutzung des Gebäudes war immer schon vielfältig und das Walhalla mit eines der größten Filmtheater in Deutschland“, so Müller weiter. Viele damalige Stars wie Maria Schell, Hardy Krüger und Zsa Zsa Gabor seien nach Wiesbaden gekommen, ließen sich im Bambi-Kino mit ihren Bambis fotografieren oder feierten dort rauschende Feste.

Am 27. Januar 2017 wurde das Walhalla recht abrupt für offiziell geschlossen erklärt. Grund: Ein brandschutzrechtliches Gutachten, welches den Vermieter des Hauses, die städtische WVV-Holding, erreichte. In diesem seien „wesentliche Mängel baulicher, technischer und organisatorischer Art“ aufgewiesen worden und so entschied sich der Geschäftsführer der WVV, Rainer Emmel, das Haus mit sofortiger Wirkung zu schließen. Ein Weiterbetrieb der Räume im jetzigen Zustand sei aus Sicht der Prüfsachverständigen unverantwortlich und gehe mit erheblichen Gefahren einher. 

Dass das Walhalla renoviert werden soll, liegt den Zuständigen schon lange vor. Nur wie? Die Konzeptentwicklungen seitens der WVV laufen seit geraumer Zeit, sie hatte damit die Stadtentwicklungsgesellschaft SEG beauftragt. Deren Idee: als zukünftigen – alleinigen – Nutzer solle die Firma GOP eingesetzt werden, ein Varieté Betreiber aus Büren, der das komplette Haus bespielen will. Doch bei der Vorstellung dieser Idee auf einem „Visionären Frühschoppen" des Stadtmagazins Sensor im Oktober 2016 erntete die Stadt nicht nur Zustimmung. Man störte sich an den austauschbaren Programmen, nannte sie "Systemunterhaltung", die keinen Platz für Individualität ließ. Auch würde bei diesem Konzept der Walhalla Verein mit dem Bambi-Kino verschwinden müssen. So formulierte der Betreiber des Wiesbadener Kulturzentrums "Schlachthof" Gerhard Schulz: „Wenn es die Kreativen und Kulturschaffenden der Stadt nicht schaffen, ein tragfähiges und alternatives Konzept auf die Beine zu stellen, dann sollen sie doch bitte auch in Zukunft den Mund halten." 

Das forderte Michael Müller heraus: „Genau dieser Meinung bin ich auch. Es geht hier um die Identität Wiesbadens, die ohnehin schon immer mehr verschwindet. Wenn wir einen Ort in der Stadt haben, wo Identität noch von Bedeutung ist, dann im Walhalla. Dieses Haus steht für Vielfalt und für die Persönlichkeit der Stadt.“ Müller selbst beschäftigt sich seither intensiv mit dem Thema, „wenn ich mir Fotoalben aus all den Jahren ansehe, kommen mir die Tränen. Allein der Gedanke daran, dass in den vorliegenden Bauplänen ein massiver Eingriff ins Objekt stattfinden würde und es mit dem Rausschmiss des Walhalla e.V. einherginge, wird mir ganz anders.“ 

Müller mobilisierte und schloss sich mit Kulturschaffenden und Unternehmern zusammen. Ziel: eine Zukunft für das Walhalla und das entsprechende Konzept, „entstanden ist ein Mischkonzept aus Off-Theater, freier Kunstszene, Kulturunternehmen und Gastronomie. Wir haben fantastische Partner an unsere Seite bekommen, wie beispielsweise Andreas Petzold (kunsteins.de), Christian Liffers (Badhaus.Bar), Joerg Lichtenberg (Gestüt Renz), Pascal Rueck oder Daniel Redin (beide wio artists). Außerdem konnten wir namhafte Unternehmer, wie Christof Blaesius vom legendären „Ballhaus Berlin“, Corny Littmann vom international bekannten „Schmidt’s Tivoli“ in Hamburg und Klaus-Peter Kofler, Gründer von Deutschlands erfolgreichstem, weltweit agierenden, Catering-Unternehmen „Kofler & Kompanie“ für das Projekt gewinnen. Sie alle würden zu den wichtigen Säulen des Walhalles zählen und das Konzept wäre somit eine tragfähige Alternative der 5.000 geschichtsträchtigen Quadratmeter des Walhalla Theaters. Darüber hinaus steht den Wiesbadenern, dem Umland und auch den Gästen des Kongress-Standortes Wiesbaden ein attraktiver Ort für private Veranstaltungen zur Verfügung.“ Das Ziel muss es aus Müllers Sicht sein, sich an der Bandbreite zu orientieren, welche das Theater-Walhalla seit seiner Gründung auszeichnet. Außerdem sei der Teamcharakter ein elementarer Faktor, das Gebäude und seine Geschichte aufrecht zu erhalten. Um diesen deutlich zu machen, stellten Müller und sein Kreativteam am 5. Februar ihr Konzept in einem „Visionären Frühschoppen“ der Öffentlichkeit vor, „das Walhalla kann DAS Projekt sein, zusammen als Bevölkerung wieder mehr an einem Strang zu ziehen. Wir möchten das Theater ins Zentrum des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens der Stadt rücken und deshalb war es ganz wichtig, den Leuten zu zeigen, was wir vorhaben.“

Mit ihrer Initiative haben sie vorerst die Planungen gestoppt, „alle politischen Parteien und der Oberbürgermeister sind informiert. Als nächstes geht der Fall in die Stadtverordnetensitzung und der Kultur- Planungs- und Finanzausschuss muss sich damit beschäftigen.“ Am Ende werden die Stadtverordneten darüber abstimmen. Müller und sein Team hoffen auf eine gute Entscheidung, um ihre Marke „Walhalla Studios Wiesbaden“ zu etablieren. „Ich sehe uns als Mannschaft. Die ganze Geschichte Walhalla kann nur erfolgreich werden, wenn wir uns alle dieser Sache annehmen. Es ist eine Bürgerangelegenheit. Wir sollten also kämpfen!“ 

Redaktion: Alexandra Rohde


Walhalla Theater und das Bambi Kino
Mauritiusstr. 3
65183 Wiesbaden
Telefon: 0 611 / 9 10 37 43