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„Es ist nie zu spät, so zu sein, wie man es gerne gewesen wäre“ (George Eliot)

Die Mainzer Künstlerin Simone von Stockhausen-Taufenbach

Um Kooperationen mit unterschiedlichen Menschen ging es der Mainzer Künstlerin Simone von Stockhausen-Taufenbach bereits immer. Schon im juristischen Studium entdeckte sie ihren Faible für eine Zusammenarbeit mit Ihren Kommilitonen, sei es in Unterstützungen untereinander, um die gewaltige juristische Fachmenge zu bewältigen, sei es, um einen internationalen Austausch verschiedener Kulturen voranzutreiben. Sie wollte das große Ganze im europäischen und internationalen Kontext mitgestalten, ein Teil davon sein. „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ war ein wichtiger Leitsatz für sie, den Aristoteles geprägt hat. Ernüchternd musste sie in Brüssel und Straßburg feststellen, dass je größer eine Maschinerie ist, der einzelne viel zu wenig bewegen kann, austauschbar ist, ersetzbar. Individualität fehlt an dieser Stelle, sie ist gar nicht gewünscht. Die segelbegeisterte Künstlerin verließ das europäische Fahrwasser und suchte ihren eigenen Weg, etwas auszudrücken, etwas zu bewegen, etwas Neues zu Schaffen. In der Kunst hat sie das gefunden, was ihr lange fehlte.

Das zentrale künstlerische Thema von Simone von Stockhausen-Taufenbach ist die Auseinandersetzung mit der Stellung der Frau in der Gesellschaft im Allgemeinen und in der Modewelt im Besonderen. Dabei beschäftigt sie sich mit der Frage, welche Bedeutung Individualität und Menschlichkeit auf dem Laufsteg hat bzw. haben sollte. In technischer Hinsicht liegt der Schwerpunkt der Künstlerin im Bereich der Collage, die sie mit malerischen und zeichnerischen Elementen kombiniert. Mit Materialien aus Zeitungen, Zeitschriften und Büchern sowie mit eigenen Fotografien und Texten schafft die Künstlerin vielschichtige Ebenen in ihren Arbeiten mittels derer der Betrachter in das Thema eingeführt werden soll. Seit Anfang 2016 arbeitet die Künstlerin an einer neuen Bilderserie unter dem Titel „Mensch, Mode, Maschine“. Wie hängen die Begriffe Mensch, Mode, Maschine zusammen? Der Mensch definiert sich über seine Persönlichkeit, seine Individualität, seine Emotionalität, seine Fehler, seine Makel – seine Unperfektheit.

Die Maschine hingegen zielt mit ihrem ganzen Wirken, mit dem Sinn ihrer Existenz auf das Gegenteil. Auf absolute Präzision und Perfektion konzipiert. In der Mode treffen die beiden Dinge aufeinander und überschneiden sich. Die Übergänge zwischen Maschinen –Schaufensterpuppen mit perfekten Proportionen, emotionslos, nie müde – und menschlichen Schaufensterpuppen - Models – verschwimmen. Das Model mit all seiner Persönlichkeit wird der Maschine gleichgesetzt. Es soll den vorgefertigten Idealen entsprechen, wie die Schaufensterpuppe. Gefühle, Geschichten hinter den Gesichtern zählen nicht. Das Model ist wie eine Puppe - anonym. Perfektioniert, und die letzten Fehler, das letzte Stück Persönlichkeit am Computer kaschiert. Und wenn die Fehler zu groß werden? Wenn die Individualität in Form des nicht perfekt Seins die Überhand gewinnt? Dann verschwinden die Gesichter von den Hochglanzbroschüren und werden ersetzt, ausgetauscht durch neue perfekte Gesichter und neue makellose Körper. Der Mensch wird zur Puppe degradiert, ausgetauscht und gerät in Vergessenheit.

Diese Thematik greift die Künstlerin in ihrer neuen Bilderserie auf und geht noch einen Schritt weiter, indem sie fragt, warum es so ist, warum funktionieren wir Menschen so und wo sollte die Grenze sein. Der Drang, uns bis hin zur Perfektion zu verbessern, existiert seit langem und ist ein ureigener Trieb des Menschen. So wird durch unseren stetigen technischen Fortschritt alles möglich sein. Der „Maschinenmensch“ wird geschaffen, weiterentwickelt mit modernsten Technologien. Chirurgische Eingriffe sind möglich und werden immer besser. Menschenleben und Menschenkörper können durch Implantate gerettet werden, aber auch immer schöner gemacht werden, immer mehr Idealen angepasst werden. Und dann? Sehen wir dann das perfekte „Maschinen-Model“ auf den Laufstegen in Mailand, Paris und New York? Wo sollte die Grenze liegen? Dies diskutierte die Künstlerin zuletzt während der Berlin Art Week auf der „Berliner Liste – fair for contemporary art“ im alten Postlager am Ostbahnhof in Berlin, wo einige Werke dieser Serie „Mensch, Mode, Maschine“ vom 14.-17. September 2017 ausgestellt waren.

Aus eins mach zwei: Seit November 2017 gehen das Atelier von Stockhausen und das Phoenixstudio einen gemeinsamen Weg.

Seit dem 1. November 2017 ist Simone von Stockhausen-Taufenbach mit ihrem Atelier auf das Gelände der alten Waggonfabrik gezogen und hat sich mit dem Wiesbadener Fotograf Peter Hähnel im Phoenixstudio zusammengetan. Das Fotostudio mit rund 80qm, mit einer Deckenhöhe von 5m und großen Fenstern ist der perfekte Ort für kreatives Arbeiten und bietet sowohl für die Fotografie als auch für die Malerei ideale Bedingungen. Peter Hähnel hat das Studio bereits im Jahr 2011 wunderbar saniert und mit modernster Hensel Technik ausgestattet. Die einzigartige Umgebung der alten Waggonfabrik und deren dort ansässigen Bildhauer, Künstler, Tänzer und Musiker runden die Inspirationsquelle ab. Ende November 2017 wurden Studio und Atelier offiziell eröffnet. Gezeigt wurden ausgewählte Collage-Arbeiten sowie Fotografien und bei genauerer Betrachtung der unterschiedlichen Techniken ist durchaus zu erkennen, warum eine Synergie zwischen den Arbeiten hergestellt werden kann. In beiden Arbeitsweisen geht es um Persönlichkeit, um Individualität. Man darf gespannt sein, was sich aus dieser neuen Symbiose entwickelt.

Über Simone von Stockhausen-Taufenbach:

Simone von Stockhausen-Taufenbach ist freischaffende Künstlerin. Nach ihrem Studium der Rechtswissenschaft an den Universitäten Bielefeld und Straßburg absolvierte sie nach dem 2. juristischen Staatsexamen eine einjährige Zusatzausbildung zur Diplom-Wirtschaftsjuristin und schloss diese mit einer Hospitanz im Bundesministerium für Bildung und Forschung in Bonn ab. Im Anschluss daran war sie als leitende Justiziarin und Europa-Referentin für die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. in Bonn, Berlin und Brüssel sowie für die Max-Planck-Gesellschaft in Mainz und Saarbrücken tätig. Seit 2012 studiert sie freie bildende Kunst an der Kunstwerkstatt in Mainz und besucht die Akademie für bildende Künste an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Zum Sommer 2017 wird sie ihr Kunststudium voraussichtlich abschließen. Geboren 1977 in Essen, pendelte sie nach ihrem ersten Studium zwischen Berlin, Bonn und Brüssel und fand ihren Lebensmittelpunkt schließlich in Mainz. Ihre Freizeit verbringt sie gerne in Großstädten und streift durch verschiedene Museen. Sie hat ein Faible für das Segeln und genießt ihre Auszeiten am liebsten am Meer. 

Über Peter Hähnel:

Peter Hähnel beschäftigte sich schon zu Schülerzeiten mit der Fotografie. Als Autodidakt hat er sich bis heute ein umfangreiches Fachwissen über die Fotografie angeeignet. Er ist 1972 in Wiesbaden geboren, wo er heute wieder lebt. Seit 2005 konzentriert sich Peter Hähnel auf die digitale Fotografie. Der Schwerpunkt seines kreativen Schaffens liegt im Bereich Fashion, People und Lifestyle. Peter Hähnel versucht immer, den besonderen Augenblick und die Stimmung in seinen Arbeiten einzufangen. Bilder sind für den Fotografen, der vor allem und am liebsten Menschen in allen Lebenslagen und Stimmungen ablichtet, Ausschnitte und Momente des Lebens. Sie müssen für Peter Hähnel immer authentisch sein, das Leben zeigen, wie es ist, Emotionen und Echtheit abbilden.

Phönix Studio Mainz /
Atelier von Stockhausen
Am Schützenweg /
Alte Waggonfabrik
55120 Mainz
www.phoenixstudio-mainz.de
www.atelier-vonstockhausen.de

Redaktion: Simone von Stockhausen-Taufenbach
Fotos: Nathalie Michel, Peter Hähnel, Simone von
Stockhausen-Taufenbach